Der Sommer wohnt im Krapfenwaldlbad

1. August 2001, 13:38
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Eine Institution - Seit mehr als einem viertel Jahrhundert

Wien - "Der Sommer g'hört zum Inventar vom Bad", wird gescherzt. Günther Sommer ist der Betriebsleiter des Krapfenwaldbades in Wien-Döbling, wo er sein halbes Leben verbracht hat. Der 57-Jährige arbeitet und lebt seit mehr als einem viertel Jahrhundert im Bad. Auch seine Dienstwohnung befindet sich auf dem Areal der beliebten Oase am Fuße des Cobenzl.

Er ist gemeinsam mit seinen Stammgästen älter geworden, hat zugesehen, wie aus Studenten Professoren wurden. Rund 200 bis 300 Besitzer einer Saisonkarte kennt Sommer mit Namen. Alle etwa 1.000 Dauergäste zu kennen sei aber "fast unmöglich". Er werde aber überall erkannt. Da passiere es schon gelegentlich, dass er etwa im Winter in der Stadt von "seinen" Besuchern angesprochen werde: "Ja Herr Sommer, kennen's mich nicht?"

Über 4.500 Besucher tummeln sich an heißen Tagen im ehemaligen "Nobelbad". Passiert sei in den 27 Jahren, die Herr Sommer schon Betriebsleiter ist, "zum Glück" nicht viel. Kleinere Blessuren, etwa ein Zusammenstoß beim Volleyballspiel, wären schon die Ausnahme. Dramatisch sei ein Badeunfall im August vergangenen Jahres gewesen, erzählte Sommer. Ein zehnjähriges Mädchen sei klinisch tot aus dem Becken geborgen worden. Zwei zufällig anwesende Ärzte hätten erfolgreich reanimiert. Die Kleine ist bei schönem Wetter wieder zu Gast im Bad.

Für das kommende Wochenende, an dem der Sommer keine Pause machen wird, rechnet Herr Sommer wieder mit einem vollen Bad. Sein Tipp für die Besucher: "Am Besten fahren's mit dem 38A, dann sind's nur ein paar Minuten zu Fuß". Nach dem Tag bei Sommer in der Sonne könne dann ohne schlechtem Gewissen noch ein Heurigen besucht werden.(APA)

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