Österreichische Inhaftierte erwägen Klagen gegen italienische Polizei

1. August 2001, 13:14
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Wegen Misshandlungen - Anwalt: Bei der Festnahme geschlagen

Rom - Die 16 Mitglieder der österreichischen Theatergruppe "VolxTheaterKarawane", die seit über einer Woche in Italien in U-Haft sind, überlegen eine Klage gegen die italienische Polizei wegen Misshandlungen. Dies betonte der Wiener Rechtsanwalt Wilfried Embacher, der im Auftrag der Theatergruppe und einiger Familienangehöriger die Aktivisten betreut. Embacher berichtete, dass die Österreicher bei ihrer Festnahme geschlagen worden seien.

Der Verteidiger, der seit einigen Tagen in Italien ist, erklärte, die Inhaftierten diskutieren noch über eine mögliche Klage gegen die Polizei. Sie wüssten, dass einige andere Globalisierungsgegner schlimmere Misshandlungen erlitten haben. "Im Moment denken sie hauptsächlich an ihre Freilassung, die Klage wird noch überlegt", sagte der Rechtsanwalt, der am Dienstag Abend gemeinsam mit dem Grünen EU-Abgeordneten Johannes Voggenhuber die neun inhaftierten österreichischen Männer in der Strafanstalt von Alessandria besucht hat.

Kontakt zu Familien verweigert

Der Rechtsanwalt erklärte, die Inhaftierten hätten über Schwierigkeiten mit den Dolmetschern geklagt, die von den italienischischen Justizbehörden mit der Übersetzung ihrer Aussagen beauftragt worden sind. Die Meinung der Aktivisten sei, dass ihre Worte nicht immer präzise übersetzt wurden. "Ihr Eindruck war, die italienischen Behörden seien bereits überzeugt, dass sie zum 'Black-Block' gehören, und alles was sie erzählen, Lügen seien", berichtete Embacher. Sie seien sichtbar erleichtert gewesen, mit einem österreichischen Rechtsanwalt sprechen zu können.

Embacher berichtete, dass die Familienangehörigen mit Bestürzung auf die Festnahme ihrer Verwandten reagiert hatten. "Sie waren entsetzt, dass sie über eine Woche lang keinen Kontakt zu ihren Verwandten haben konnten". Erst am Dienstag konnten einige von ihnen die Inhaftierten besuchen. "Sie sind über diese Vorgehensweise sprachlos, sie stehen alle fest zu den Häftlingen", erklärte der Rechtsanwalt, der im Laufe des Tages mit Voggenhuber den Polizeichef von Genua treffen wird. (APA)

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