Infineon: Proteste gegen Stellenabbau

1. August 2001, 12:04
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Gewerkschaft: "Keine vernünftige Personalplanung"

München - Mit Flugblättern und Transparenten haben rund 100 Beschäftigte des in der Krise steckenden Chipherstellers Infineon Mittwoch in München gegen geplante Stellenstreichungen im Unternehmen protestiert. Bei Infineon gebe es keine vernünftige Personalplanung, kritisierte IG Metall-Fachsekretär Mathias Sommerfeld im Vorfeld einer für den Nachmittag angesetzten Betriebsversammlung. "Wir werden die Streichungen nicht widerspruchslos hinnehmen." Bis zum Abschluss der Verhandlungen mit der Gewerkschaft müssten alle Kündigungen ausgesetzt werden.

"Arbeitszeit zurückfahren"

Zunächst müsse das Unternehmen zur tariflichen Normalarbeitszeit von 35 Wochenstunden zurückkehren, sagte Sommerfeld. Infineon und die IG Metall hätten während des Booms in der Halbleiterbranche im vergangenen Jahr in einem Ergänzungs-Tarifvertrag vereinbart, die Arbeitszeit bei entsprechender Auftragslage auf bis zu 40 Wochenstunden anzuheben.

In einer Anlage habe Infineon zugesagt, dass vor dem Ausspruch betriebsbedingter Kündigungen "in den betroffenen Bereichen die verlängerte Arbeitszeit auf die normale tarifliche Arbeitszeit" - derzeit 35 Stunden - zurückgeführt werde. Dies sei bisher nicht erfolgt. "Bevor Kündigungen ausgesprochen werden, muss das erstmal zurück gefahren werden." Einen konkreten Gesprächstermin mit dem Vorstand gebe es derzeit aber noch nicht.

Milliardenverluste

Im dritten Quartal des laufenden Geschäftsjahres 2000/2001 (30. September) hatte Infineon einen Verlust vor Steuern und Zinsen in Höhe von fast 600 Mill. Euro (8,3 Mrd. S) eingefahren. Daraufhin hatte das Unternehmen die Streichung von weltweit 5.000 Arbeitsplätzen angekündigt, was einem Siebentel der gesamten Belegschaft entspräche. Verantwortlich für den Einbruch ist vor allem die drastisch gesunkene Nachfrage nach Chips aus der Computerindustrie und bei den Handyherstellern. (APA/dpa)

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