Djindjic fordert Gebietsautonomie für Kosovo-Serben

2. August 2001, 16:02
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Lebensstandards in Serbien soll sich in "zwei, drei Jahren" verbessern

Belgrad - Der serbische Ministerpräsident Zoran Djindjic hat mitgeteilt, dass das offizielle Belgrad von der internationalen Staatengemeinschaft eine ''Gebietsautonomie für die Kosovo-Serben, einen speziellen Rechtsstatus sowie die Bildung besonderer serbischer Institutionen'' fordern werde. Die jugoslawische und die serbische Regierung sollen Medienberichten zufolge bei einer für Donnerstag angesetzten gemeinsamen Sitzung ihre Forderungen im Hinblick auf das Kosovo, bzw. die Wahlbeteiligung von Kosovo-Serben formulieren. Die Kosovo-Wahl ist für November geplant.

In einem Interview für die Tageszeitung ''Vesti'' (erscheint in Frankfurt in serbischer Sprache) meinte Djindjic, dass die internationale Staatengemeinschaft für die Kosovo-Serben jenes Modell anwenden sollte, welches sie ''volle zwölf Jahre lang für die Kosovo-Albaner'' vorgeschlagen habe. ''Alles, was die internationale Staatengemeinschaft einst für die Albaner gefordert hat, verlangen wir nun für die Serben. Sollte uns nun jemand sagen, dass dies nicht demokratisch ist, so möchten wir wissen, worüber wir in den letzten zwölf Jahren gesprochen haben''.

Registrierung von Kosovo-Serben eingestellt

Der serbische Ministerpräsident hat als eine der Voraussetzungen für die Wahl-Beteiligung von Kosovo-Serben auch gefordert, dass man den Kosovo-Serben Autonomie in den Bereichen Polizei, Justiz, Bildungs- und Gesundheitswesen gewährt. Die serbischen Behörden hatten am Dienstag die einen Tag zuvor begonnene Registrierung der Kosovo-Serben eingestellt. Dies war nach Meinungsverschiedenheiten mit der OSZE-Mission im Kosovo geschehen, welche die Registrierungsformulare ohne Durchschlag für die Behörden anfertigte.

Der serbische Vizeministerpräsident Nebojsa Covic und Flüchtlingskommissarin Sanda Raskovic-Ivic hatten nach einem Treffen mit dem OSZE-Missionschef Daan Everts eine Kompromisslösung in Aussicht gestellt. Laut Raskovic-Ivic werden Belgrad und die OSZE höchst wahrscheinlich eine Einigung über die volle beiderseitige Einsicht in die einschlägigen Daten in Pristina, Belgrad und im OSZE-Sitz in Wien erzielen.

Jugoslawen gegen Deutschland mit zwei Toren in Führung

Djindic zieht in dem Interview auch eine Bilanz nach sechs Monaten Regierung der Demokratischen Opposition Serbiens (DOS), an deren Spitze er steht. Bezüglich der wirtschaftlichen und sozialen Situation in Serbien zeigte sich Djindjic enttäuscht, dass die Menschen nicht mehr und stärker "auf dem Weg der Reformen" beharren würden. Nach der Wende am 5. Oktober letzten Jahres hätten sich viele in ihr normales Leben zurückgezogen und erwartet, dass sie "bestimmte kleine Dividenden" bekommen. Reformen würden aber bedeuten, dass alle kämpfen und versuchen, mit knappen Mitteln bessere Resultate zu erzielen als vorher.

Die Situation in Serbien erinnere ihn aber an ein Fußballspiel, in dem die Jugoslawen gegen Deutschland mit zwei Toren in Führung sind und die Deutschen noch den Ausgleich schaffen. "Und wir warten, dass etwas passiert und dass wir gewinnen, aber am Ende verlieren wir dennoch", zieht Djindjic einen Vergleich. Der Ministerpräsident ist auch mit dem Kampf gegen die Kriminalität in Serbien nicht zufrieden. Den größten Erfolg hätte die serbische Regierung mit der Rückkehr in die internationalen Institutionen erzielt. Die Realisierung der Mittel und Investitionen, die im Rahmen der Geberkonferenz Ende Juni vereinbart wurden, erwartet der serbische Ministerpräsident im Laufe des Herbst und Winters, spätestens bis zum Frühling. Dennoch könne man eine "wirkliche Verbesserung des Standards in Serbien erst in etwa "zwei, drei Jahren" erwarten. (APA)

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