Laudas Unfall war das Ende der Nordschleife

24. August 2001, 11:50
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Vor 25 Jahren ging der Bolide des dreifachen Weltmeisters in Flammen auf

Neuss - Vor 25 Jahren standen die Räder still. Der schwere Unfall von Niki Lauda am 1. August 1976 bedeutete das Ende für die legendäre Nordschleife und den Großen Preis von Deutschland auf dem Nürburgring, der seitdem in Hockenheim stattfindet. Erst neun Jahre später kehrte der PS-Zirkus in die Eifel zurück, als Schauplatz des Europa-Grand-Prix ist der Traditionskurs dank des Schumacher-Booms inzwischen wieder fester Bestandteil im WM-Kalender.

Letzte Ölung

Nur dem beherzten Eingreifen einiger Fahrerkollegen, die ihn aus dem brennenden Ferrari-Wrack zogen, verdankt der Österreicher sein "zweites Leben", das Ärzte in einer Mannheimer Spezialklinik endgültig retteten. Dabei hatte Lauda an jenem 1. August von einem eilends herbeigerufenen Geistlichen noch in den Trümmer seines ausgebrannten Autos bereits die letzte Ölung bekommen.

Lauda spricht von Barbecue

Sein entstelltes Gesicht akzeptierte Lauda schnell: "Man hat mir einen Spiegel vor die Nase gehalten. Da war mir dann klar, was passiert ist", meint Lauda, der den Unfall heute sarkastisch als "mein Barbecue" bezeichnet: "Der Sprung ins kalte Wasser war der einzige Weg, darüber wegzukommen."

Schnelles Comeback

Mit der gleichen Einstellung betrieb Lauda auch sein Comeback. "Wenn man so einen Unfall nicht schnell verarbeitet, dann kann man nie mehr Autorennen fahren", erinnert sich der heute 52-Jährige an die ersten Tage nach dem Unfall: "Deshalb war es mein Ziel, schnell wieder zu fahren, damit die Angst, die so ein Unfall auslöst, nicht weiter wächst."

Fünf Wochen Pause

Der gebürtige Wiener, der 1975 seinen ersten Weltmeistertitel geholt hatte, stieg nicht mal fünf Wochen nach dem Unglück wieder ins Cockpit seines Ferrari, allerdings mit einem mulmigen Gefühl: Als ich in Monza zum ersten Mal wieder aus der Box gefahren bin, habe ich mir fast in die Hose gemacht. Man muss langsam anfangen, Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten aufzubauen."

Aufgabe im letzten Rennen 76

Das schaffte Lauda in Rekordzeit. Das Ferrari-Heimspiel in Monza beendete er sensationell auf Platz vier, und er hätte trotz der Zwangspause auch noch den WM-Titel geholt, wenn er nicht im letzten Rennen im strömenden Regen in Fuji/Japan seinen Wagen aus Sicherheitsgründen abgestellt hätte. Der Engländer James Hunt fuhr durch, wurde Dritter und schnappte Lauda mit einem Punkt Vorsprung den Titel noch weg.

Genug von "Im Kreis fahren"...

Ein Jahr später holte Lauda die WM-Krone zurück, um dann 1979 mit den Worten "Es gibt wichtigere Dinge in meinem Leben, als mit dem Auto im Kreis herum zu fahren" der Formel 1 den Rücken zu kehren. Lauda kümmerte sich fortan nur noch um seine eigene Fluglinie, die er wenige Monate vor seinem Rücktritt gegründet hatte.

...und doch noch ein Titel

Der Sohn einer Industriellen-Familie hielt es aber nur drei Jahre ohne Formel 1 aus und kehrte 1982 in den PS-Zirkus zurück. Mit Erfolg: Zwei Jahre später wurde er zum dritten Mal Weltmeister, als er im McLaren mit dem Porsche-Turbomotor einen halben Punkt mehr sammelte als sein Teamkollege Alain Prost - die knappste WM-Entscheidung aller Zeiten.

Lauda-Air

1985 nahm er zum zweiten Mal Abschied vom Rennsport und machte die Lauda Air zu einer renommierten Linienfluggesellschaft, obwohl er auch im Berufsleben Rückschläge einstecken musste. Am 26. Mai 1991 stürzte ein Lauda-Air-Flugzeug wegen eines Triebwerkschadens über Thailand ab, 223 Menschen starben. Wäre es menschliches Versagen gewesen, hätte sich Lauda aus dem Fluggeschäft zurückgezogen.

Motorsportdirektor bei Jaguar

Das tat Lauda, der seit 1997 mit einer von Bruder Florian gespendeten dritten Niere lebt, erst im vorigen Jahr, als er die Anteile der Lauda Air an seine Partner verkaufte. Im Februar feierte er sein zweites Comeback in der Formel 1. Als Motorsportdirektor heuerte er bei Jaguar an.(sid)

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