EM.TV erwägt Verkauf der Formel I-Beteiligung

1. August 2001, 14:43
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Werner Klatten will sich auf Kerngeschäft beschränken

Das angeschlagene Medienunternehmen EM.TV erwägt nach den Worten seines designierten Vorstandsvorsitzenden Werner Klatten einen Rückzug aus der Formel Eins. Er habe den Eindruck, dass die Beteiligung nicht zu den anderen EM.TV-Geschäftsfeldern passe, sagte Klatten am Mittwoch auf der Hauptversammlung des Unternehmens in München. Im Falle eines Verkaufs winke dagegen ein "signifikanter Erlöszufluss".

Klatten stellte auch die Beteiligung an der Jim Henson Company ("Die Muppet-Show") in Frage. Mit dem Erlös aus Verkäufen könne EM.TV andere Medientitel kaufen, die zum Unternehmen passten. Auf der Hauptversammlung warf die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) dem abgelösten Vorstandsvorsitzenden Thomas Haffa "schwere unternehmerische Fehlleistungen" vor. Die DSW stellte den Antrag, den Verwaltungsgremien die Entlastung zu verweigern.

Klatten bezeichnete als Kernkompetenz von EM.TV den Handel mit Rechten für das Kinderfernsehen. Über die Beteiligung an Junior.TV solle das Unternehmen hier sein Engagement auf die europäischen Märkte ausdehnen. Junior TV ist derzeit ein Joint-venture zwischen EM.TV und der KirchGruppe. Vorstandsmitglied Rolf Rickmeyer sagte, EM.TV strebe an, weitere 50 Prozent von Junior TV zu übernehmen.

Das Geld für den Kauf neuer Anteile will EM.TV durch den Verkauf anderer Beteiligungen erzielen. Laut Klatten kommt dafür auch das Muppet-Unternehmen Jim Henson in Frage. Die Rentabilität des Unternehmens sei unbefriedigend, ein Verkauf könne dagegen eine spürbare Verbesserung der Liquidität von EM.TV bringen. Die EM.TV-Aktie legte bis zum Mittag um ein Prozent auf 3,72 Euro zu.

Der "Spiegel-Manager Klatten sprach auf der Hauptversammlung noch als Gastredner. Er soll spätestens Anfang nächsten Jahres den Vorstandsvorsitz übernehmen und wird dann mit einem Anteil von 25,1 Prozent der Aktien auch größter Aktionär. Er hatte seinen überraschenden Einstieg vor einer Woche bekannt gegeben. Klatten löst den zurückgetretenen EM.TV-Gründer Thomas Haffa ab. Dieser hatte das Unternehmen zunächst zum Star des Neuen Markts gemacht. Nach Meldungen über milliardenschwere Schulden verlor der Wert der Aktie über 90 Prozent ihres Wertes.

Die Sprecherin der Kleinaktionärsvertretung DSW, Daniela Bergdolt, sagte, EM.TV habe sich unter Haffa "vom Börsenliebling zum absoluten Katastrophenfall" entwickelt. Viele Aktionäre stünden nach dem Einbruch der Aktie vor den Trümmern ihrer Ersparnisse. Bergdolt machte Haffa den Vorwurf, sich "aus dem Staub gemacht zu haben". Die Verantwortlichen des Aufsichtsrats seien zwar ihrer Kontrollpflicht nachgekommen, hätten sich aber nicht durchgesetzt.

Bergdolt forderte die Aktionäre auf, dem Aufsichtsrat und Vorstand die Entlastung zu verweigern. Die EM.TV-Führung hatte beantragt, die Entlastung zu vertagen. Außerdem beantragte Bergdolt eine Sonderprüfung. Dabei soll der Wert der Formel-Eins-Beteiligung von EM.TV und des Tochterunternehmens Jim Henson Company ermittelt werden. (APA/AFP)

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