Slowakei - Ein Nachzügler holt auf

1. August 2001, 10:52
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Wien - Die Slowakei durfte wegen Zweifeln an ihrer politischen Stabilität unter Ministerpräsident Vladimir Meciar erst im Februar 2000 mit den EU-Beitrittsverhandlungen beginnen. Jetzt, wenig mehr als ein Jahr später, hat das Land aber den Anschluss an die erste Gruppe gefunden, die zwei Jahre früher zu verhandeln begann. Mittlerweile hat die Slowakei wie Tschechien 19 der 31 Verhandlungskapitel abgeschlossen.

Die EU-Kommission sieht aber im politischen Bereich noch Mängel und fordert insbesondere eine stärkere Unabhängigkeit der Justiz ein. Im Umgang mit Roma sieht Brüssel eine "Kluft zwischen der Formulierung der Politik und ihrer Umsetzung vor Ort". Der Anteil der Roma an der Gesamtbevölkerung liegt nach der letzten Volkszählung bei 1,6 Prozent, beträgt aber nach Schätzungen bis zu zehn Prozent. Die ungarische Minderheit von rund 550.000 Menschen oder mehr als zehn Prozent der Bevölkerung ist derzeit mit ihrer Partei Teil der Koalitionsregierung von Ministerpräsident Mikulas Dzurinda.

Wirtschaftlich hat die Slowakei vor allem mit einer hohen Arbeitslosigkeit zu kämpfen, die über 18 Prozent liegt und damit die höchste aller osteuropäischen Staaten ist. Die Kaufkraft liegt derzeit bei 48 Prozent des EU-Schnitts, die Wirtschaft wächst laut Prognosen mit etwa drei Prozent im Jahr, womit das Land unter dem Schnitt der Kandidatenländer liegt. Die EU-Kommission ist zuversichtlich, dass die Inflation von derzeit 7,5 Prozent nächstes Jahr auf etwas über fünf Prozent reduziert werden kann.

Wichtige Daten und Kennzahlen:

  • Fläche: 49.035 km2
  • Bevölkerung: 5.407.956 (Schätzung Juli 2000)

  • Staatsform: Parlamentarische Republik
  • Präsident: Rudolf Schuster (seit 1999)
  • Regierungschef: Mikulas Dzurinda (Slowakische Demokratische Koalition, SDK), seit 1998
  • Regierung: Koalitionsregierung unter Führung der SDK mit Linksdemokraten und Ungarn-Partei (SMK); Neuwahl 2002

  • Wirtschaftsentwicklung
  • BIP (1999): 815,3 Mrd. Kronen (18,9 Mrd. Euro/259 Mrd. S)
  • Produktionsstruktur (1999, in Prozent des BIP):
    Landwirtschaft 4,5
    Industrie 29,3
    Bauwirtschaft 5,8
    Dienstleistungen 60,4
  • Inflation (1999, gegenüber Vorjahr): 10,6 Prozent
  • Handelsbilanz (1998) Exporte 9,555 Mrd. Euro (131,5 Mrd. S) Importe 11,652 Mrd. Euro (160 Mrd. S) (APA)
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