Tschechien - Die Mühen der Ebene

1. August 2001, 10:50
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Wien - Der Erneuerungsprozess Tschechiens hat nach einem erfolgreichen Start nach dem Fall des Eisernen Vorhanges 1989 in den letzten Jahren an Schwung verloren. Das spiegelt sich unter anderem darin wider, dass die Kaufkraft von 63 Prozent des EU-Schnitts im Jahr 1997 auf 58 Prozent im Jahr 2000 fiel. In den letzten zwei Jahren konnte das Land den negativen Trend aber wieder umkehren. Nach einigen Jahren rückläufiger Wirtschaftsdaten prognostiziert die EU-Kommission nun wieder Wachstumsraten von 3,5 bis 4,0 Prozent. Die Arbeitslosigkeit liegt bei etwa 8,5 Prozent und fällt. Die Inflation ist mit etwa 4,3 Prozent eine der niedrigsten in Osteuropa.

Die EU-Kommission kritisiert in ihrem jüngsten Fortschrittsbericht, dass es bisher in Tschechien keine nennenswerten Reformen der Verwaltung gegeben habe. Die Bekämpfung von Korruption und Wirtschaftskriminalität werden als unzureichend bezeichnet. Die Anpassung an das EU-Recht habe zwar in letzter Zeit wieder an Dynamik gewonnen, allerdings seien in einer Reihe von Schlüsselbereichen noch Anstrengungen erforderlich.

Tschechien, das mit den EU-Beitrittsverhandlungen im März 1998 begonnen hat, hat bisher 19 der 31 Kapitel abgehakt. Nur Ungarn, Zypern und Slowenien sind damit in den Gesprächen mit Brüssel weiter. Allerdings stehen dem Land im kommenden Jahr Neuwahlen ins Haus, wodurch der Verhandlungsprozess nicht erleichtert werden dürfte. Derzeit wird Tschechien noch von einer Minderheitsregierung der Sozialdemokraten unter Ministerpräsident Milos Zeman mit Duldung der konservativen Demokratischen Bürgerpartei (ODS) von Parlamentschef Vaclav Klaus regiert.

Wichtige Daten und Kennzahlen:

  • Fläche: 78.866 km2
  • Bevölkerung: 10.283.179 (1999)

  • Staatsform: Parlamentarische Republik
  • Präsident: Vaclav Havel (seit 1993, wiedergewählt 1998)
  • Regierungschef: Milos Zeman (Sozialdemokratische Partei, CSSD), seit 1998
  • Regierung: Minderheitsregierung der Sozialdemokraten unter Duldung der konservativen ODS; Neuwahlen 2002

  • Wirtschaftsentwicklung
  • BIP (1999): 1.836 Mrd. Kronen (54,8 Mrd. Euro/754 Mrd. S)
  • Produktionsstruktur (1999, in Prozent des BIP):
    Landwirtschaft 3,7
    Industrie 34,3
    Bauwirtschaft 7,5
    Dienstleistungen 54,5
  • Inflation (1999, gegenüber Vorjahr): 2,0 Prozent
  • Handelsbilanz (1998) Exporte 23,412 Mrd. Euro (322 Mrd. S) Importe 25,680 Mrd. Euro (353 Mrd. S) (APA)
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