Erneut US-Akademiker in China angeklagt

1. August 2001, 10:21
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Wu Jianmin soll an "Tian'anmen-Papieren" beteiligt gewesen sein

Peking - China hat erneut Anklage gegen einen amerikanischen Akademiker erhoben. Der US-Bürger Wu Jianmin sei formell der Gefährdung der Staatssicherheit beschuldigt worden, berichtete das Informationszentrum für Demokratie und Menschenrechte aus Hongkong. Dem Akademiker wird vorgeworfen, an den Enthüllungen über die blutige Niederschlagung der Demokratiebewegung 1989 in den "Tian'anmen-Papieren" beteiligt gewesen zu sein.

Die US-Botschaft in Peking konnte die Anklage der Staatsanwaltschaft Guangzhou (Kanton) in Südchina und den damit erlassenen Haftbefehl zunächst nicht bestätigen. Zuletzt hatte ein Beamter des US-Konsulats in Guangzhou den Amerikaner am 25. Juli sehen dürfen. Wu Jianmin war am 8. April in der südchinesischen Stadt Shenzhen festgenommen worden. Das Informationszentrum erwartet, dass ihm noch vor dem Besuch von US-Präsident George W. Bush im Oktober in China der Prozess gemacht werden soll.

Ausweisung droht

Das Zentrum rechnet damit, dass Wu Jianmin ähnlich wie der amerikanische Professor Li Shaomin und die Wissenschaftlerin Gao Zhan, die ein ständiges Aufenthaltsrecht in den USA hat, ausgewiesen werden wird. Die beiden waren wegen Spionage für Taiwan zu zehn Jahren Haft verurteilt und Ende Juli in die USA abgeschoben worden. Li Shaomin durfte gleichwohl in die chinesische Sonderverwaltungsregion Hongkong zurückkehren, wo er an der Hongkong Universität gelehrt hatte.

Die im Jänner in den USA und inzwischen auch auf Chinesisch erschienenen "Tian'anmen-Papiere" sind eine detaillierte Dokumentation der geheimen Entscheidungen und Beratungen in der Parteispitze während der Demokratiebewegung, die mit dem Massaker am 4. Juni 1989 endete. Die Verfasser des Buches haben ihre Quellen nicht enthüllt; die chinesische Regierung bezeichnet die Dokumentation als Fälschung. (APA/dpa)

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