Die BAT-Männer wollen Gallaher

1. August 2001, 19:32
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Britischer Tabakriese hat Appetit auf die Mutter der Austria Tabak

Wien - Das europäische Tabakkarussell dreht sich wieder: Am Montagabend erneuerte der Tabakriese British American Tobacco (BAT) sein Interesse an Gallaher, dem Unternehmen, das erst Ende Juni die Austria Tabak (AT) übernommen hat. Ein Wermutstropfen aber bleibt für BAT-Chef Martin Broughton. "Nach der Übernahme der Austria Tabak ist Gallaher weniger wert", sagte Broughton der Nachrichtenagentur Reuters.

Das kann auch Jörg Schramm, Vorstandschef der AT, nachvollziehen: "Gerade im Großhandel und im Lizenzgeschäft müssten wir mit erheblichen Einbußen rechnen." Der Grund: AT produziert Marlboro-Zigaretten für den US-Koloss Philip Morris. Dieser ist im Bloomberg-Tabakaktien World Index mit knapp 37 Prozent weltweit Nummer Zwei nach Reynolds. BAT ist mit einem Index-Anteil von 5,9 Prozent zwar abgeschlagen auf Rang Drei, aber einer der großen Konkurrenten von Philip Morris vor allem in Europa.

Probleme bei Lizenzverträgen

Daher rechnet Schram auch mit Problemen bei einer eventuellen Übernahme von Gallaher: "Unser Lizenzgeschäft wäre so sicher nicht mehr weiterführbar, da Philip Morris mit Gallaher allein eine neutrale Position vorfinden würde, mit BAT aber einen Konkurrenten. Das würde sicher zu Problemen mit den Lizenzverträgen führen. Damit wären wir auch weniger wert". Im Prinzip also die Position des BAT-Chefs Broughton, der nach vier Jahren ein anscheinend nie ganz abgeklungenes Interesse an Gallaher wiederentdeckt.

BAT und Gallaher vertreiben bereits Zigarettenmarken wie Benson and Hedges weltweit gemeinsam. Nun wäre nur die Enkeltochter AT ein Grund für das Eintrüben der Stimmung. BAT argumentiert auch, dass AT mit Österreich und Schweden zwei Hauptmärkte habe, die kein großes Wachstum versprechen. Was auch AT-Chef Schramm sieht, "es gibt in keinem europäischen Land hohe Wachstumsraten", dafür aber könne es diese mit Gallaher im Osten geben. Trotz seiner Bedenken Richtung AT bleibt BAT bei seinem Interesse an Gallaher. Gudrun Egger, Analystin der Erste Bank, deutet die Aussagen des BAT-Chefs folgendermaßen: "Wahrscheinlich will BAT ganz einfach den Preis drücken." In jedem Fall habe das AT-Management vor der Übernahme durch Gallaher die Frage der Lizenzverträge sicher mit den neuen Eigentümern abgesprochen.

BAT hat nach eigenen Aussagen nie wirklich an einen Kauf der AT gedacht. Gallaher aber anscheinend auch nicht an ein Zusammengehen mit BAT - aus Kreisen der AT- Verkäufer hieß es am Mittwoch: "Gallaher hat sich uns als ein starker, dynamischer Partner präsentiert, der vorhat, allein zu bleiben." (Esther Mitterstieler, DER STANDARD, Printausgabe 2.8.2001)

KOMMENTAR
Gute Geschäfte
Von Esther Mitterstieler

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