Deutsche Bank mit Gewinneinbruch

1. August 2001, 18:26
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Neue Commerzbank-Spekulation - Kostenbremse und Jobabbau angekündigt

Frankfurt - Selbst Deutschlands größtes Kreditinstitut und Nummer drei in der Weltrangliste, die Deutsche Bank, ist vor der Konjunktur- und Börsenflaute nicht gefeit. Die Großbank berichtete am Mittwoch von einem im ersten Halbjahr um mehr als 30 Prozent gesunkenen Nachsteuergewinn. Bankchef Rolf Breuer kündigte ein Kostensenkungsprogramm an, das auch mit Stellenabbau verbunden sein könnte. Offenbar missverständliche Äußerungen über ein Zusammenrücken mit der Commerzbank zog Breuer bald nach der Pressekonferenz wieder zurück.

"Missverständnis"

"Ich schließe die Commerzbank nicht aus", hatte Breuer in der Pressekonferenz zum Halbjahresbericht auf Fragen nach möglichen Teil-Zusammenschlüssen erklärt. Eine Vollfusion mit der viertgrößten deutschen Bank stehe dagegen nicht zur Diskussion. Anschließend widersprach er aber dem Eindruck, es gebe konkrekte Pläne. Das sei ein "Missverständnis" gewesen. Im Vorjahr war ein Zusammenschluss mit der Dresdner spektakulär gescheitert. Ein Commerzbank-Sprecher wollte die Äußerungen Breuers nicht kommentieren. Der Kurs der Commerzbank-Aktie legte jedoch um gut zwei Prozent zu. Die Aktien der Deutschen Bank gaben um 2,7 Prozent auf 77,80 Euro nach.

Gewinnrückgang

Im ersten Halbjahr erzielte die Deutsche Bank einen Gewinn nach Steuern von 2,451 Mrd. Euro (33,73 Mrd. S). Das waren 35 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Experten hatten mit dem Einbruch bei dem Branchenprimus gerechnet und dabei unter anderem auf die Schwäche an den internationalen Aktienmärkten verwiesen. Breuer sagte zu dem Ergebnis, es sei für das "miserable" Marktumfeld "sehr respektabel". Erst im vierten Quartal rechnet das Institut mit einer Erholung. Die Deutsche Bank, deutete Breuer an, könnte im Gesamtjahr 2001 womöglich weniger verdienen als 2000.

Stellenabbau

Die Deutsche Bank bestätigte auch grundsätzlich einen Bericht der "Welt", wonach sie ihre Unternehmensberatungstochter DB Consulting Group schließt. Betroffen sind dem Bericht zufolge weltweit 450 Mitarbeiter. Allerdings würden auch nach der Schließung rund 100 Mitarbeiter bankintern als Berater arbeiten. Die Deutsche Bank wird Breuer zufolge auch im Privatkundengeschäft womöglich Stellen abbauen. Zur Frage nach Stellenstreichungen wollte er zunächst nichts sagen, meinte dann aber: "Die Umstrukturierungen werden möglicherweise einen Stellenabbau mit sich bringen." (APA/Reuters)

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