Repräsentantenhaus beschließt weit gehendes Klonverbot von Menschen

2. August 2001, 21:29
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Vorsitzender der österreichischen Bioethik-Kommission begrüßt den Schritt

Washington - Das US-Repräsentantenhaus hat heute für ein weit reichendes Klonverbot von Menschen gestimmt. Für den Gesetzentwurf waren 265 Abgeordnete, 165 sprachen sich dagegen aus. Das Klonen von Menschen wird dem Gesetz zufolge als schweres Verbrechen gewertet, das mit Geldstrafen von mehr als einer Million Dollar und mit Haft bis zu zehn Jahren geahndet werden kann. Einen Alternativ-Vorschlag, der das Klonen für die Forschung mit Stammzellen erlaubt hätte, wurde abgelehnt.

"Hier geht es darum, moralisches Vorbild für die Welt zu sein, die uns aufmerksam beobachtet", erklärte der Vorsitzende des Justizausschusses, James Sensenbrenner. US-Präsident George Bush begrüßte die Entscheidung. Das Gesetz bedarf noch der Zustimmung des US-Senats. Der Abstimmung war eine heftige und emotionelle Debatte vorangegangen. Einig waren sich die Abgeordneten darin, dass menschliches Klonen für die Fortpflanzung nicht erlaubt werden dürfe. Uneinigigkeit herrschte indes darüber, ob Forscher Embryonen klonen dürften, um Stammzellen herzustellen.

Andere Klontechniken bleiben legal

"Wir dürfen Millionen von kranken oder verletzten Menschen nicht sagen: Nur zu, geht und sterbt oder bleibt gelähmt, weil wir glauben, ...dass ein Haufen Zellen wichtiger ist als ihr", dramatisierte der demokratische Abgeordnete Jerrold Nadler das Thema. Andere warnten indes vor Embryonen-Farmen und der Massenvermarktung menschlichen Lebens. "Menschen sollten nicht geklont werden, um einen menschlichen Schrottplatz für Ersatzteile beim Experimentieren aufzufüllen", sagte der republikanische Mehrheitsführer im Repräsentantenhaus, Tom DeLay.

Die überwältigende Entscheidung des Repräsentantenhauses, das menschliche Klonen zu verbieten, sei ein starke ethische Aussage, die er lobe, erklärte Bush. Die Wissenschaft müsse vorangetrieben werden, aber so, dass Leben respektiert und geehrt werde. Bush erwägt die Zulassung von Bundesmitteln für die Forschung an embryonalen Stammzellen. Ein Klonverbot würde diese Forschung nicht betreffen.

Der demokratische Mehrheitsführer im Senat Tom Daschle bekräftigte seine Ablehnung des Klonens. Das Klonen von Menschen sollte nicht zusammen mit der Stammzellenforschung betrachtet werden. "Ich finde, bei dem, was wir mit der embryonalen Stammzellenforschung machen können, gibt es moralische Grenzen und dies (das Gesetz) ist eine gute Veranschaulichung dafür." Das Gesetz würde andere Klontechniken, um Moleküle, DNA, Zellen (außer von Embryos), Gewebe, Organe Pflanzen oder Tiere herzustellen, nicht betreffen.

Huber: Begrüßenswerter Schritt

Als richtigen Schritt sieht der Vorsitzende der österreichischen Bioethik-Kommission, Univ.-Prof. DDr. Johannes Huber, die Entscheidung des US-Repräsentantenhauses. "Es ist begrüßenswert, weil die Sinnhaftigkeit reproduktiven Klonens nicht gegeben ist", sagte Huber. Da Klonversuche im Tierbereich bisher von so vielen Fehlschlägen und Missbildungen begleitet waren, sehe er in dieser Technik keinen medizinischen Sinn.

Das US-Klonverbot muss erst vom US-Senat verabschiedet werden. Es würde die Forschung mit embryonalen Stammzellen nicht betreffen. Die Stammzellenforschung beurteilt Experte Huber von der Universitäts-Frauenklinik in Wien als "hoch interessantes Forschungsgebiet". Dieser spezielle Bereich der Gentechnik in der Medizin müsse aber erst in seiner "Sinnhaftigkeit besser dokumentiert werden". Bis dahin solle die Forschung mit adulten Stammzellen vorangetrieben werden.

(APA/Reuters/AP)

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