Deutschland: Urlaubszeit begünstigt Castor

1. August 2001, 15:27
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Nur vereinzelt Proteste gegen größten deutschen Atommülltransport

Es ist der größte jemals in Deutschland zusammengestellte Atommülltransport, aber zumindest beim Start der ersten Behälter gab es - auch durch die Urlaubszeit begünstigt - kaum Proteste. Nur 40 Demonstranten standen am Dienstag rund 700 Polizisten gegenüber, als drei Castorbehälter mit 21 abgebrannten Brennstäben vom baden-württembergischen AKW Neckarwestheim beladen wurden. Der Atommüll soll per Bahn in die britische Wiederaufbereitungsanlage Sellafield gebracht werden.

Weitere alte Brennelemente werden am Mittwoch aus den Kernkraftwerken Brunsbüttel, Stade, Mühlheim-Kärlich und Philippsburg auf die Reise zur französischen Wiederaufbereitungsanlage in La Hague geschickt. Die einzelnen Züge werden in Wörth in Rheinland-Pfalz zusammengekoppelt. Insgesamt werden mehr als hundert Brennelemente in zwölf Castoren transportiert.

Zum Vergleich: Ende März waren rund 30.000 Beamte im Einsatz, um sechs Castor-Behälter ins Zwischenlager Gorleben zu begleiten. Rund 10.000 Atomkraftgegner lieferten sich drei Tage lang Auseinandersetzungen mit den Sicherheitskräften. Inzwischen sind die ersten Anklagen gegen Demonstranten erhoben worden. Eingeleitet wurden 737 Verfahren, darunter 462 Strafverfahren.

Von Atomkraftgegnern wurden auf Anfrage mehrere Gründe genannt, warum die Proteste diesmal geringer ausfallen: So sei seit Mitte Juni die Vereinbarung zwischen der rot-grünen Regierung und den Energieversorgern über den Atomausstieg unterzeichnet, mit Stade sei vergangene Woche das erste AKW benannt worden, das - noch dazu früher als vorgesehen - abgeschaltet werden soll, es habe inzwischen bereits drei Trans-porte gegeben, und schließlich sei Urlaubszeit. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 1.8.2001)

STANDARD-Korrespondentin Alexandra Föderl-Schmid aus Berlin
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