Gen für Fehlgeburten am AKH entdeckt

1. August 2001, 09:44
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Blutdrucksteuerung ein Schlüsselfaktor

Wien - "Frauen mit einer bestimmten Genmutation haben ein achtfaches Risiko für Fehlgeburten", sagt Clemens Tempfer vom Wiener Allgemeinen Krankenhaus (AKH). Dieser so genannte Polymorphismus, eine genetische Abweichung, wurde an jenem Gen aufgespürt, das die Synthese von Stickoxyd (NO) in den Zellen der Blutbahnwände und damit den Blutdruck regelt. Auf diese Weise bewirkt es, "dass sich die Muskeln relaxieren", weiß Gynäkologe Tempfer.

"Bei Frauen mit diesem Polymorphismus wird weniger NO produziert, das führt zu weniger Entspannung der Gewebe hinter den Blutgefäßen und so zu einer schlechter durchbluteten Gebärmutter." Wegen der Unterversorgung kann es zu Minithrombosen und anderen Komplikationen kommen, die schließlich zum Abortus führen können.

Das Team um Tempfer hat Patientinnen untersucht, die mindestens drei Kinder vor der 20. Schwangerschaftswoche verloren hatten. Das betrifft immerhin jede 50. Frau. Den Zusammenhang mit dem Polymorphismus entdeckten die Forscher zuvor im Mäuseexperiment. Nachdem das entsprechende Gen abgeschaltet worden war, kam es bei den Tieren zu Bluthochdruck und zu vielen Fehlgeburten.

Tempfer warnt aber vor überzogenen Schlüssen: "Der Polymorphismus ist ein Faktor, nicht die alleinige Ursache." Was hat eine Mutter in spe von der Erkenntnis? "Man weiß jetzt", sagt der Gynäkologe, "wen es betreffen wird. Mit konkreten Therapien zur Blutverdünnung könnte man der schlechten Durchblutung entgegenarbeiten und der Frau die drei Fehlgeburten ersparen." (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 1.8.2001)

von Roland Schönbauer; Human Reproduction, Vol. 16, S. 1644
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