Das Rätsel der Supertorpedos

1. August 2001, 21:04
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Superkavitation lässt Objekte durchs Wasser "fliegen"

Moskau - Derzeit bereiten Spezialtaucher in der Barentssee die Bergung der vor einem Jahr verunglückten "Kursk" vor. Dann wird sich zeigen, ob das modernste U-Boot der russischen Marine mit seiner 118 Mann starken Besatzung der Explosion eines der bordeigenen Torpedos zum Opfer gefallen ist. Torpedos, die noch immer als streng geheim gelten, aber vermutlich schon heute bei allen größeren Seemächten der Welt die Entwicklung neuer Unterwasserwaffen und U-Boote ausgelöst haben. Was bislang über die russischen Supertorpedos namens "Schkwal" (Sturmbö) bekannt ist, berichtet Spektrum der Wissenschaft in der August-Ausgabe.

Etwa das: Während es herkömmliche Torpedos auf 130 km/h bringen, schafft die "Schkwal" mindestens 350 km/h. Möglich wird das durch den Effekt der so genannten Superkavitation. Kavitation entsteht, wenn eine Flüssigkeit rasch um einen Körper fließt. Dabei verringert sich der Druck auf die umströmte Fläche und wird bei hoher Geschwindigkeit so gering, dass die Flüssigkeit verdampft. Normale Kavitation ist störend, weil sie Tragflächen und Schiffsschrauben behindert. Superkavitation hingegen ist erwünscht, weil sich dabei nur eine einzige Blase bildet, die das Objekt fast ganz umhüllt und es quasi durch die Flüssigkeit "fliegen" lässt.

Grundsätzlich besteht die "Schkwal" aus einem acht Meter langen kegelförmigen Rumpf, der hinten ein Feststoff-Raketentriebwerk und vorne den Sprengkopf enthält. Die große Raketendüse wird von acht kleinen Startraketen umringt, die den Torpedo bereits vor Zündung des Haupttriebwerks auf Superkavitationsgeschwindigkeit beschleunigen. Über die Torpedospitze ist wenig bekannt. Es wird vermutet, dass sie eine flache kreisförmige oder elliptische Scheibe - den Kavitator - trägt. Direkt dahinter sitzen mehrere Ventilationsringe, die Raketenabgase und Dampf in die Blase ausstoßen, um sie zu vergrößern. Jedenfalls ist der russische Supertorpedo bestimmt nicht die letzte Überraschung, die aus dem Meer militärischer Geheimhaltung auftaucht. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 1.8.2001, hk)

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