"Mum's The Word" bei Salzburger Zeitfluss

2. August 2001, 14:02
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Die Künstlerin Meira Asher brachte Politisches durch Klangwelten

Salzburg - Was passiert, wenn Kinder nicht mit Liebe, sondern mit anderen, ähnlich starken, aber leider anders gelagerten Gefühlen wie Zorn oder Hass erzogen werden, das zeigte die in Tel Aviv geborene Künstlerin Meira Asher gestern, Montag, im Zeitfluss Zelt im Salzburger Volksgarten eindrucksvoll. Unterstützt mit teils sehr peinvollen Klängen und gut durchdachten Videosequenzen gelang es der Komponistin, Performerin und Sängerin in manchen Momenten, einen sehr dichten Gefühlsteppich zu weben.

Missbrauch aufzeigen

Die österreichweit erste Aufführung von "Mum's The Word" zielte aber nicht nur auf die Erzeugung gefühlsintensiver Momente, sondern verstand sich auch als politische Botschaft, als Kritik an der Manipulation von Kindern. Ein klarer Fingerzeig auf den Missbrauch und die Manipulation von Jugendlichen war jene Sequenz, in der mit faschistoiden Bildern von Lagerfeuerromantik gespielt wurde.

"Hässliche" Klänge

Zur Verwirrung führte leider des öfteren das zu dick aufgetragene Zusammenspiel von Video, Klang und Text. Durch die Wortebene wurde die mit Bild und Ton sorgsam und pfiffig aufgebaute Spannung überladen und nicht mehr aufnehmbar. So wurde eine eindrucksvolle Passage, in der ein Basketball zum Rhythmusinstrument umfunktioniert wurde, durch die unverständlichen Textpassagen nahezu wieder zerstört. Die schlechte Akustik des Zeitfluss-Zeltes kann da nur teilweise als Entschuldigung herangezogen werden.

Auffällig war der Mut zur Hässlichkeit des Klangs, den die Komponistin des öfteren unter Beweis stellte. Mit an Zahnschmerzen gemahnenden, schrillen Tönen wurde die durch Drill und Machtmissbrauch verursachte Beklemmung gezeigt, die nicht in Worte zu fassen ist. Gepaart mit den Bildern der Videokünstlerin Anna Henckel-Donnersmarck erzeugten die Künstler einige bleibende Eindrücke. (APA)

Zeitfluss/Zelt
Salzburger Volksgarten
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