Job-Sterben in der deutschen Finanzbranche

1. August 2001, 10:16
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Gewerkschaft ver.di prognostiziert Abbau von 200.000 Stellen

Düsseldorf - In der deutschen Finanzbranche stehen nach Schätzungen der Gewerkschaft ver.di in den kommenden zehn Jahren mehr als 200.000 Arbeitsplätze auf der Kippe. In Düsseldorf erklärte der ver.di-Bundesvorstand, eine aktuelle Studie, die das Mannheimer Zentrum für europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) für das deutsche Wirtschaftsministerium erarbeitet habe, bestätige diese Einschätzung.Der Untersuchung zufolge müssen die Banken in den kommenden fünf Jahren zehn Prozent der Arbeitsplätze abbauen - also 100.000 - wenn sie die Kosten in den Griff bekommen wollen.

Informatik ersetzt Menschen

Als Jobkiller habe die Studie Effizienzsteigerungen und den Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologien ausgemacht. Der Finanzdienstleistungsexperte der Gewerkschaft, Uwe Foullong, sagte: "Der Personalabbau im deutschen Bank- und Versicherungsgewerbe ist unnötig: die Finanzdienstleistungsmärkte boomen." Zudem nehme der Beratungsbedarf bei Privat- und Firmenkunden zu.

Rationalisierung durch Zusammenschlüsse

Die Bedeutung der privaten Altersvorsorge wachse, die Zahl von Existenzgründungen und Unternehmenszusammenschlüssen steige. Banken, Sparkassen und Versicherungen seien daher nicht mit der Stahl- oder Werftindustrie vergleichbar, wo Nachfrage und Kapazitäten rückläufig sind. Notwendig sei allerdings eine innovative Geschäftspolitik. Statt einseitig Kosten zu reduzieren, brauche die Branche wachstums-, kunden- und beratungsorientierte Konzepte, die mehr Umsatz, mehr Gewinn und mehr Beschäftigung brächten.

Neuorientierung erforderlich

Ohne eine solche Neuorientierung werde ver.di zur Beschäftigungssicherung stärker als bisher auf eine Neuverteilung des Arbeitsvolumens durch alle denkbaren Arbeitszeitinstrumente setzen, kündigte Foullong an und betonte: "Es ist gesellschaftspolitisch nicht akzeptabel, wenn wachsende Branchen Arbeitsplätze vernichten." (APA/dpa)

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