Massenproteste nach israelischem Angriff in Nablus

1. August 2001, 14:10
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Demonstranten fordern Vergeltung - Hubschrauberangriff international verurteilt

Nablus/Jerusalem - Im gesamten Westjordanland ist es nach dem israelischen Angriff auf ein Hauptquartier der radikal-islamischen Hamas-Bewegung zu Massenprotesten gekommen. Tausende Palästinenser forderten Vergeltung für den Angriff der Armee auf Hamas-Büros in Nablus, bei dem unter anderem zwei führende Hamas-Mitglieder und zwei Kinder getötet wurden. Auch im Gaza-Streifen zogen Zehntausende Palästinenser protestierend durch die Straßen.

In Nablus versammelten sich unmittelbar nach dem Angriff tausende Palästinenser vor dem siebenstöckigen Gebäude, in dem sich die Hamas-Büros befunden hatten. Die Demonstranten forderten Vergeltung. Außerhalb von Nablus lieferten sich Demonstranten Schusswechsel mit israelischen Soldaten. In Ramallah kam es bei Protesten ebenfalls zu Ausschreitungen, bei denen israelische Soldaten Tränengas, Gummigeschoße und auch scharfe Munition gegen Palästinenser einsetzten. Palästinensische Scharfschützen feuerten unterdessen von Dächern herab. Im Gaza-Streifen gingen nach dem Angriff rund 50.000 Menschen in Gaza-Stadt auf die Straße, in Jenin etwa 7000. Die palästinensische Autonomiebehörde ordnete eine zweitägige Trauerzeit an. Präsident Yasser Arafat sprach von einer gezielten Verschwörung. Hamas-Gründer Scheich Ahmed Yassin verurteilte den Angriff und warnte, Israel werde dafür einen hohen Preis zahlen. Er überlasse es nun den Kassam-Brigaden, dem militärischen Arm der Hamas, angemessen zu reagieren.

London und Paris üben Kritik

Großbritannien könne "die gezielte Ermordung militanter Palästinenser durch Israel nicht hinnehmen", hieß es in einer vom Außenministerium in London veröffentlichten Erklärung. Der französische Außenminister Hubert Vedrine sagte in Paris, der "Anstieg dramatischer Gewaltanwendung" führe in eine Sackgasse. Solch "provozierende Aktionen" drohten die Bemühungen der internationalen Gemeinschaft um eine friedliche Zusammenarbeit zunichte zu machen. (APA/Reuters/dpa)

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