Roboter mit menschenähnlicher Intelligenz

1. August 2001, 11:21
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Androiden beginnen Gefühle zu zeigen, zu lieben und zu träumen

New York - Im neuen Film von Steven Spielberg, "A.I.", bauen die Menschen Roboter nach ihren Wünschen: als Ersatz für Kinder und Freunde. Doch die Androiden beginnen, Gefühle zu zeigen, zu lieben und zu träumen. Viel zu weit hergeholt? Möglicherweise nicht. Einige angesehene Wissenschaftler halten die Film-Roboter für eine durchaus angemessene Darstellung dessen, was die Forschung anstrebt. Wann es tatsächlich Androiden mit menschenähnlicher Intelligenz gibt, ist aber noch reine Spekulation.

Derzeit konzentrieren sich die Experten auf die Entwicklung von Robotern, die gesprochene Befehle verstehen und ausführen können. "Wenn der Kinofilm die Ebene widerspiegeln würde, auf der wir gegenwärtig arbeiten, wäre es kein guter Film", sagt Maja Mataric, Forscherin an der Universität von Südkalifornien.

Die japanischen Firmen Honda und Sony haben bereits Roboter in Menschenform gebaut, die laufen können und sogar einige rudimentäre Tanzschritte beherrschen. In einem Jahrzehnt sollen sie zumindest ansatzweise in der Lage sein, ihren eigentlichen Bestimmungszweck zu erfüllen: für alte Menschen zu sorgen. Als Honda seinen "P-3" enthüllte, der wie ein abgespecktes Michelin-Männchen aussieht, begann auch die US-Regierung, Forscher wie Mataric zu unterstützen, deren Roboter "Adonis" gerade das Macarena-Tanzen lernt.

"Androiden sind jetzt in Mode", sagt Mataric. Sie erwartet, dass die ersten Roboter, etwa als eine Art Haushaltshilfe, schon in fünf Jahren verkauft werden. "Es ist sehr aufregend." Ein ausschließlich aus Robotern bestehendes Fußballteam, so Matarics Diagnose, dürfte in etwa 25 Jahren in der Lage sein, eine Menschenmannschaft zu schlagen. Auch die NASA ist mit im Geschäft. Sie hat mit "Robonaut" eine Maschine entwickelt, die gefährliche Arbeiten im All erledigen soll, etwa Reparaturen an einer Raumstation.

Künstliche Intelligenz

Das Design eines Androiden schließt zahlreiche Forschungsrichtungen ein - Biologen ebenso wie Computeringenieure. Die Prognosen, wann die Wissenschaft in der Lage sein wird, die maschinelle Kopie eines Menschen zu bauen, variieren um Jahrhunderte. Jordan B. Pollack, der an der Brandeis-Universität über künstliche Intelligenz forscht, gehört zu den Pessimisten. Er glaubt, dass es Roboter wie im Film "A.I." frühestens im kommenden Jahrhundert gibt. "Wir haben grundlegend unterschätzt, wie gut Mutter Natur als Programmierer ist", sagt Pollack.

Für einen Menschen ist es ein Leichtes, die Augen zu öffnen, umherzublicken und zu erkennen, wo er sich befindet. Einen Roboter darauf zu programmieren, dasselbe zu tun, ist eine enorme Aufgabe. "Wenn man einen Roboter baut, fällt einem auf, wie extrem komplex diese Dinge sind", sagt Cynthia Breazeal vom Massachusetts Institute of Technology. Breazeals Roboter "Kismet" kann bereits auf menschliche Gefühle reagieren, indem er seinen Gesichtsausdruck ändert.

Doch jede Medaille hat eine Kehrseite. In Science-Fiction-Romanen wird schon länger das Aufkommen einer höheren, unsterblichen Roboter-Rasse thematisiert. Aber auch angesehene Wissenschaftler, wie der Erfinder und Schriftsteller Ray Kurzweil oder Bill Joy von Sun Microsystems, haben das Thema aufgegriffen. Schon in wenigen Jahrzehnten könnten die Menschen Roboter bauen, wie sie im Film "A.I." dargestellt werden, glaubt Kurzweil, - Maschinen, die bald Rechte einfordern.

"Innerhalb von 30 Jahren haben wir Maschinen, die die gesamte Bandbreite menschlicher Intelligenz reproduzieren", sagt Kurzweil, der unter anderem Spracherkennungssoftware und Musiksynthesizer entwickelt hat. "Die Menschen werden sich von dieser Technologie bedroht fühlen."

Roboter in Menschengestalt

Computer, deren Leistung über die menschlichen Fähigkeiten hinausgeht, seien schon bald möglich. Setzt man einem Roboter in Menschengestalt ein solches Computerhirn ein, dann erhält man einen Androiden, der klüger ist als ein Mensch, wie Kurzweil glaubt. Und je mehr Mensch und Maschine verschmelzen, um so früher seien Androiden in der Lage, Gefühle auszudrücken.

Auch Hans Moravec, der mit finanzieller Unterstützung der US-Regierung an der Carnegie-Mellon-Universität forscht, hält es für möglich, dass Roboter Menschen ersetzen und zwar überall dort, wo sie besser in der Lage sind, eine bestimmte Rolle zu erfüllen. Allerdings sieht Moravec diese Entwicklung eher positiv: Er glaubt beispielsweise, dass hilfreiche Roboter den Alltag älterer Menschen erleichtern können.

Immer schnellere und immer kleinere Mikroprozessoren bringen die Roboter-Entwicklung voran. Doch im Vergleich zur Computertechnologie hinken andere Forschungsrichtungen hinterher. "Kameras sind keine Augen. Die menschliche Wahrnehmung ist viel komplexer", sagt Mataric. "Und wir wissen nichts darüber, wie wir Haut imitieren sollen. Du kannst einen Roboter überall anfassen, und er weiß nicht einmal, dass du da bist." Bis Maschinen Gefühle replizieren, dauere es noch sehr lange, glaubt Kurzweil. Sollte der Tag kommen, an dem Roboter lieben oder hassen, so sagt er, dann ist die Maschine menschlich geworden. (APA)

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