Die Gagen der Börsen-Gurus

1. August 2001, 16:20
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Studie: Potenzial für saftige Bonuszahlungen sinkt

Asset Management kann ein sehr profitables Geschäft sein. Das haben vor allem auch Banken und Versicherungen in den letzten Jahren festgestellt. Ein großer Vorteil liegt im geringen Risiko gegenüber traditionellen Sparten wie dem Kreditgeschäft. Die Erfolgsformel lautet: effiziente, interne Organisation - weitgehend EDV-gestützt, starkes Vertriebsnetz, Performance und Kontrolle der Fixkosten.

Steigende Märkte - Geldsegen für Fondsgesellschaften

In steigenden Märkten führt dies zwangsläufig zu wachsenden Fondsvermögen. Die variablen Erträge aus den Verwaltungsgebühren steigen mit der Marktentwicklung. Hat eine Fondsgesellschaft dann noch das Glück oder Können, einen Top-Performer in einem attraktiven Segment zu managen, kann sie zumeist mit einer wahren Geldflut rechnen. Das war das gültige Szenario im Jahr 1998 und 1999 sowie in den ersten Monaten des Jahres 2000.

Sinkende Marktphasen gilt es zu überstehen

In der zweiten Jahreshälfte 2000 und im ersten Halbjahr 2001 war das Bild umgekehrt. Starke Kursverluste an den Aktienmärkten ließen die Fondspreise der Wachstums-, Technologie- und Neue Märkte Fonds bis zu 70 Prozent einbrechen. Zusätzlich kamen noch Abflüsse durch Verkäufe, wobei diese relativ gering ausfielen. Die meisten Fondsanleger blieben noch investiert und beweisen damit, daß sie dem langfristigen Veranlagungsgedanken folgen. Das ist ein sehr positives Zeichen.

Die sinkenden Einnahmen hatten in den letzten Monaten die Margen der Fondsgesellschaften drastisch verringert. Große amerikanische Fondsgesellschaften hatten als Reaktion auf die schwachen Märkte zum Teil drastische Budgetkürzungen und umfangreiche Entlassungen bekanntgegeben. Ziel ist die Reduzierung der Fixkosten ohne die Fondsmanagement- und Vertriebskapazität für den nächsten Aufschwung zu verlieren. Von einschneidenden Maßnahmen im Fondsmanagement nehmen viele Gesellschaften noch Abstand. Zu wichtig ist die Kontinuität und Stabilität in den Teams.

Bonus-Potenzial für 2001?

In diesem Marktumfeld machen sich jedoch auch die Fondsmanager Gedanken, wie hoch das Potential für eine saftige Bonuszahlung für 2001 ausfallen kann. Im Fondsgeschäft gelten dieselben Regeln wie auf herkömmlichen Parties. Den richtigen Fonds zur richtigen Zeit auflegen und verkaufen kann der Gesellschhaft enorme Gewinne bescheren - kommt man zu spät zur Party ist der Großteil des Fondsvolumen bereits vergeben.

Im heurigen Jahr gab es wenig Produktinnovationen, mit denen große Erträge erwirtschaftet werden konnten.

Fondsmanager-Gagen im internationalen Vergleich

Auf welchem Niveau bewegen sich internationale Fondsmanager-Gehälter?Eine internationale Gehaltsstudie der Association for Investment Managment and Research (AIMR) und Russell Reynolds Associates im Mai dieses Jahres zeigte folgendes Bild für 2001.

Aus Antworten zu 41.300 Fragebögen wurden Daten von mehr als 10.000 Fondsmanagern aus USA, UK, Hong Kong, Kanada und Singapur erfaßt. Die Gehaltsbestandteile wurden in Basisgehälter 2001, der erwartete Cash-Bonus und Sonstige Bonuszahlungen (Sonst.), wie Aktien, Optionen, etc. unterteilt.

Topverdiener in den USA und UK

Der Median der Fondsmanagergehälter lag mit USD 190.000 für US-Fondsmanager leicht hinter den Kollegen aus Grossbritannien mit USD 200.000,- Gesamtgehalt. Dieser Wert entspricht nicht genau dem Durchschnitt, sondern dem Gehalt des Mittelfeldes der Manager. Der variable Gehaltsbestandteil in den USA liegt bei 30-35 Prozent, in UK 45 Prozent. Hong Kong (USD 136.000 Gesamtgehalt), Singapur (USD 112.000) und Kanda (USD 108.000) liegen mit Abstand dahinter.

Spitzengagen für Top-Manager

Interessant wird es im Bereich der besten 10 Prozent unter den Top-Verdienern - diese Gruppe beginnt bei einem Gehaltsniveau von USD 650.000 in den USA und USD 710.000 in UK. Die Skala ist nach oben mehr oder weniger offen - genaue Angaben über den Durchschnitt dieser Gruppe bzw. das Top-Gehalt wurden nicht veröffentlicht.

Erfahrung ist wichtig - und macht sich bezahlt

Fondsmanager mit mehr als 10 Jahren Erfahrung im Geschäft kommen in den USA auf USD 245.000 Gesamtgehalt (Median) bzw. ab USD 900.000 für die besten 10 Prozent. In UK werden die erfahrenen Manager mit USD 257.500 (Median) eingestuft. Die Top 10 Prozent in UK liegen alle über einem Wert von USD 1.100.000 pro Jahr.

Fondsmanagement noch von Männern dominiert

Der Anteil der weiblichen Fondsmanager wurde in dieser Studie mit 17 % beziffert - mit ansteigender Tendenz in den letzten Jahren. Auch beim Gehaltsniveau der Fondsmanager gibt es für Frauen noch Aufholpotential - aktuell liegt das durchschnittliche Gesamtgehalt ca. 16 Prozent unter dem der männlichen Kollegen.

Vergleich mit Kontinentaleuropa?

Der Boom im kontinentaleuropäischen Fondsgeschäft wird sicher zu einer weiteren Angleichung der Gehälter führen. Detaillierte Daten aus Gesamteuropa sind - wie in vielen anderen Bereichen - auch hier nicht verfügbar.

Fest steht jedoch, daß die Gehälter hierzulande deutlich unter denen in UK und USA liegen. Dies beweisen auch immer wieder konzerninterne Vergleiche in internationalen Fondsgesellschaften. Oft kommen diese Daten durch grenzüberschreitende Fusionen an die Oberfläche und sind immer wieder Stoff für Konfliktpotential und Konkurrenzkampf in den betroffenen Konzernen. Ausgetragen werden diese Konflikte zumeist unter Einsatz aller Techniken des harten Konkurrenzkampfes - hoher Einsatz - hohe Gewinnchancen.

Aus finanzieller Hinsicht ist für Fondsmanager hierzulande ein Job in den USA oder UK sicher interessant. Lebensqualität ist für Kontintinentaleuropäer jedoch auch viel wert.

Warten auf den nächsten Boom

Das aktuelle Motto wurde von einem Fondsmanager wie folgt formuliert: "Die Saure-Gurken-Zeit überstehen, intern überleben, Anleger informieren und bei Laune halten und auf den nächsten Boom warten. Die Börse bietet Anlegern und Fondsmanagern sicher wieder neue Chancen - und dafür lohnt es sich zu warten."

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