Das Kürzel am Bürzel

13. September 2004, 14:47
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Der jüngste Mercedes-C-Klasse-Ableger spricht die praktische denkende Hälfte der Menschheit an. Die andere gibt sich den BMW Compact, sagt man. Die beiden Sportcoupes zum Gustieren, nicht nur in der Ansichtssache


Geht es um die Schönheitswertung, ist Mercedes Sieger: In der optischen Gefälligkeitsprüfung schlägt der Nachahmer das Original. Das Original heißt BMW compact, nunmehr in zweiter Generation erhältlich, und auch wenn man über das Heck streiten kann: Der Nachahmer, das Sportcoupé der C-Klasse, macht eine harmonischere Figur als der fahraktive Schrumpfbajuware.

Brav-komfortabel

Mit "fahraktiv" sind wir auch schon mitten im Dilemma: Denn ähnlich wie viele sportlich designte japanische Coupés der 80er-Jahre hat der jüngste C-Klasse-Ableger mit Sport nicht viel mehr am Hut als das Kürzel am Bürzel. Wo BMW ein richtungsweisendes und, jawohl: sportlich-athletisches Fahrwerk hergezaubert hat, bleibt Mercedes brav und auf der komfortablen Seite. Nicht, dass wir uns missverstehen: auf dem sehr, sehr hohen Niveau der C-Klasse.

In jeder Hinsicht fein

Wo der compact in den Kurven steht wie ein Bock, signalisiert also das Sportcoupé schon durch die Seitenneigung, dass da die Straße von der geometrischen Idealform der Geraden abgekommen ist. Auch ein Spurtcoupé ist das Sportcoupé in der vorliegenden Testform - C 220 CDI - nicht wirklich, 10,3 Sekunden für den Beschleunigungstest 0-100 km/h sind zwar o.k., aber nicht berauschend. Wenngleich, Abbitte, dieser Common-Rail-Diesel in jeder Hinsicht fein zum Auto passt. Nämlich: Durchzug (315 Nm!), Verbrauch (6,2 l/100 km!), Geräuschkultur (leise!).

Insgesamt bekommt man für viel Geld ein klasses Auto mit der Lizenz zum Alltagseinsatz. Gut, zwei Türen sind zwei Türen weniger als vier, Fondpassagiere müssen sich ergo von vorne nach hinten reinzwängen. Auf der Rückbank herrscht dann aber ausreichend Platz, und auch die Gepäckabteilung (310 l) dahinter kann sich sehen lassen.

Schließlich: Zielgruppe

Die begehrlichen Blicke von so überraschend vielen weiblichen Verkehrsteilnehmern bezog der STANDARD-Tester zunächst auf sich, bis er draufkam, dass doch irgendwie das Sportcoupé gemeint sein musste. Stephan Gantner, Sprecher von Mercedes Benz Österreich, bestätigt die vage Vermutung: Mit 30 Prozent aller Käufer liege der Frauenanteil beim Sportcoupé weit über dem Mercedes-Schnitt von knapp 18 Prozent.

Mercedes C 220 CDI Sportcoupé

Preis: 447.082 S (32.491 EURO)

Fahrleistungen: 0-100 km/h in 10,3 sec, Spitze 220 km/h
Verbrauch: 6,2 l/100 km (DER STANDARD-Print-Ausgabe, 27.7.2001)

Von Andreas Stockinger

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