Joanneum-Studie weist auf Probleme des Trinkwasserexports hin

1. August 2001, 21:03
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Hohe Transportkosten, hygienische Gefahren und juristische Hindernisse

Kapfenberg - Eine Studie der Fachhochschule Joanneum Kapfenberg stellt die Wirtschaftlichkeit des Wasserexports in Frage. Demnach seien die Möglichkeiten des Trinkwasserexports begrenzt und die Erwartungen überhöht. "Die Studie rückt die überhöhten Erwartungen über Möglichkeiten des österreichischen Trinkwasserexportes auf ein realistisches Maß zurecht", so der Leiter des Fachhochschul-Studiengangs "Infrastruktur", Michael Bobik. Den Auftraggeber nannte Bobik nicht. Es handle sich um eine steirische Gemeinde. Bisher wurde der Wasserreichtum Österreichs als großes Gewinnpotenzial gehandelt.

Laut Studie ergeben sich wesentliche Problem im Transport. Rechtlich sei zwar die Abfüllung in Flaschen als Mineral- oder Tafelwasser erlaubt, bei einem Zielort wie Budapest machten aber selbst im günstigsten Fall die Kosten des Bahntransportes zwei Drittel der Kosten aus. Im ägyptischen Alexandria würde österreichisches Trinkwasser wegen der hohen Transportkosten bereits ohne Handelsspanne so viel kosten wie ein Kunde im Einzelhandel in Österreich bezahlt. So bliebe Mineral- und Trinkwasser aus Österreich für viele Länder ein Luxusartikel.

Selbst wenn die Rohstoffkosten gleich Null seien, könne man als neuer Abfüller am Markt kaum reich werden. Die einzige Marktchance wäre, Wasser durch ein innovatives Flaschendesign als Lifestyle-Produkt zu positionieren und damit höhere Erlöse zu erzielen. Als Beispiel wird grüner Tee in heimischen Regalen genannt, der sich teuer verkaufen lasse, obwohl er zu großem Teil aus Wasser bestehe. Der Kunde zahle nicht den Material- sondern den Erlebniswert.

Als kostenmäßig tragbare Variante bliebe die Einspeisung in Fernwasserleitungen. Der Hauptkostenanteil liege hier im Bau der Pipeline. Die Betriebskosten machten lediglich 15 Prozent aus. Stuttgart werde bereits über eine Pipeline mit Bodenseewasser versorgt. Die Pipeline-Längen dürften 250 km allerdings nicht überschreiten, ansonsten nehmen nicht nur die Kosten sondern auch hygienische Gefahren zu. Daher sei mit österreichischem Wasser nur ein grenznaher Streifen der Nachbarländer belieferbar. Möglich sei eine Versorgung von Budapest oder München. Nach geltender Rechtslage ist die kommerzielle Ableitung von Quellwasser über Pipelines faktisch nicht bewilligungsfähig. Dadurch würde ein derartiges Vorhaben bereits an der wasserrechtlichen Bewilligung scheitern, wenn die gesetzlichen Rahmenbedingungen nicht grundsätzlich geändert werden. (pte)

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