"Frauen sollen ihre Männer zur Räson bringen"

24. Jänner 2002, 16:17
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Zitrone für eine besondere Art des Kampfes gegen Prostitution

Im südböhmischen Bezirk Krumau (Cesky Krumlov) gibt es Prostituierte. Das wäre an sich noch nichts Besonderes. Es ist ein Grenzgebiet. Dementsprechend viele Oberösterreicher fahren dorthin. Das passt den Tschechen nicht und daher soll diesen österreichischen "Sextouristen" nun ein Riegel vorgeschoben werden, berichtet die Prager Tageszeitung "Lidove noviny".

Eine besondere Initiative im Kampf gegen die Prostitution habe sich die Bürgermeister dieser Gegend einfallen lassen: Mit einer Plakataktion wollen sie die "Nachfrage nach Sex einschränken".

Doch interessanterweise werden dabei nicht die Kunden aufgefordert, ihre Tätigkeiten zu unterlassen, sondern ihre Ehefrauen. Diese sollen ihre Männer "zur Räson bringen". So soll auf den Plakaten etwa folgender Text stehen: "Schafft für Eure Männer daheim solche Bedingungen, dass sie nicht nach Tschechien zu Prostituierten fahren müssen", wird der Vizebürgermeister des grenznahen Städchens Kaplice, Jan Kozojed, zitiert.

Aha. Nicht die Männer sollen sich schämen, sondern Schuld an ihrem "Fehlverhalten" haben klarerweise die Frauen, die Ehefrauen, die ihre Männer quasi dazu "zwingen", zur Prostituierten zu gehen, da sie daheim nicht das bekommen, was sie "bräuchten".

Es ist dies eine durchaus übliche Argumentation und eigentlich bereits zur Genüge bekannt...Es muß also System dahinter stecken. Ein letztes Beispiel derartiger Argumentation war der Grazer Kriminalitätsatlas (dieStandard.at berichtete), wo "freizügig" gekleidete Frauen fast als "selber-Schuld-Vergewaltigungs-Opfer" hingestellt wurden. Doch verwunderlicherweise wird dieser Argumentationsstrang immer wieder verwendet und auch in Diskussionen häufig eingebracht.

Nur, damit zeigen die Männer, dass sie nicht Verantwortung für ihr eigenes Handeln übernehmen wollen - oder können sie das etwa (noch) nicht? Caroline Ausserer

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