Der Walk

20. November 2001, 22:51
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...eine modische Erfolgsstory mit langer Geschichte Schon die alten Ägypter wussten verfilzte Wolle zu schätzen

Die alten Ägypter, Griechen und Römer stampften Wollstoff in einem Bottich mit einer Mischung aus warmem Wasser und Urin oder Natrium mit den Füßen. Heraus kam Walk, ein dichtes Material, das hervorragend vor Kälte und Regen schützt. Die Hieroglyphe für das Wort "walken" zeigt ein Paar Männerfüße im Wasser. In Österreich traten einer Tiroler Überlieferung zufolge Tiroler Bergbauern als erste im Wasserbottich unter Zugabe von Gerbsäure aus Eichenholz und Walkerde aus Vulkangestein den Stoff aus Schafwolle.

Im 11. Jahrhundert stand das althochdeutsche Verb "walkan" für "hin- und herbewegen, zusammendrücken, kneten", im Mittelhochdeutschen bedeutete es "schlagen, durchbläuen, prügeln", im Mittelniederdeutschen "rollend, walzend durchkneten, stampfend waschen und reinigen". Bald stand der Begriff allgemein für das Verfilzen von Wollstoffen. Mehr durch Zufall erkannte man, dass Verfilztes noch immer tragbar und vor allem dichter und witterungsbeständiger ist. Unter Zusatz von Urin, Schafkot oder Torf- und Walkerde in warmem Wasser mit Füßen oder Mörsern gestampft, entstanden so die ersten Walkstoffe in unseren Breiten.

Im 12. und 13. Jahrhundert wurde das Stampfen per pedes von Walkmühlen abgelöst. Mittels eines Wasserrades, verbunden mit einer Welle, setzten sich ein oder mehrere Stampfen in Bewegung und bearbeiteten den in einem Walktrog oder -stock liegenden Stoff. In etwa 15 bis 18 Stunden verfilzte und schrumpfte das Material zusehends.

Dieses Verfahren wurde im Jahre 1831 mit der Erfindung der Kurbel- oder Hammerwalke durch den Engländer Bouret verbessert. Die Walzen- oder Zylinderwalke, auch von einem Engländer geschaffen, bildete das zweite Produktionsgerät für Walk in dieser Zeit. Beide Varianten bestimmten lange Zeit die Herstellungstechnik.

Heute wird weder getreten noch gestampft: Dank großer Walk-Waschmaschinen wird das Wollgestrick (für Walk) oder -gewebe (für Loden) gewaschen und verfilzt, unter Einwirkung von Wasser, Wärme und mechanischer Schleuderbewegung.

APA/red

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