Das Ende des roten Teppichs

17. August 2001, 16:35
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NPO-Organisationen werben um New-Economy-Mitarbeiter nach der Devise "Start-ups kommen und gehen".

Vor einem Jahr wetteiferten Technologiefirmen, Investmentbanken und Start-ups bei Job-Fairs auf dem Unigelände um die Abgänger, Einstiegsgehälter von mehr als 75.000 Dollar waren keine Seltenheit. Was für ein Unterschied ein Jahr später. Die Abgänger privater Hochschulen sind zwar weiterhin gefragt, aber es regnet kaum mehr Stellenangebote. Die Krise der New Economy hat nicht nur Dutzende von Start-up-Unternehmen und Zehntausende von Jobs vernichtet, selbst die Großen der Branche spüren das rauere Klima.

Entlassungen

Kaum ein Tag verging in den vergangenen Monaten, an dem nicht führende Unternehmen wie Dell oder Intel Entlassungen ankündigten. Die Sparmaßnahmen treffen nun auch die Hochschulabgänger. Rollten Firmen vor zwölf Monaten den roten Teppich aus, ziehen sie nun gar Jobangebote zurück.

Intel, das seine Belegschaft um 5000 Leute reduziert, zahlt zwei Monatsgehälter, und die Studenten können den Bonus, den sie beim Anheuern erhielten, behalten. Kleinere Firmen sind in der Regel nicht so generös oder lassen, wie Pixo, ein Jungunternehmen in San Jose, die vormals Umworbenen ganz ohne Kompensation in der Luft hängen.

Paradiesische Zustände

Was bei älteren Arbeitnehmern zu Frust und Depression führen kann, federn die jungen Arbeitslosen jedoch bislang reichlich gekonnt ab. Auf der einen Seite ist die Arbeitslage für versierte Beschäftigte in der IT-Branche weiterhin gut. So kreierte das Santa Clara County, das Herz von Silicon Valley, im März 2000 neue Jobs, während landesweit die Arbeitslosigkeit stieg. Mit 2,2 Prozent Arbeitslosenrate herrschen hier immer noch paradiesische Zustände.

Optimistischer

Auf der anderen Seite sind die jungen Arbeitslosen, die noch nie eine Rezession erlebten, optimistischer als ihre Väter. Statt sich sofort in die Arbeitssuche zu stürzen, buchen sie Flüge nach Lateinamerika und Asien. Viele holen damit nach, was sie nach dem Studium zurückstellten. Statt ein paar Monate durch Asien zu tingeln, machten sie rasant Karriere.

"Ausgepowert und nie wieder"

Wie Jennifer Reynolds, die nach einer aufreibenden Karriere in einer Werbeagentur nun einer Anzeige des Peace Corps folgt. "Ich war völlig ausgepowert und habe mir geschworen, nie wieder eine Werbeagentur", sagt die 28-Jährige, die zwei Jahre lang für die regierungseigene Hilfsorganisation nach Asien gehen möchte.

Annehmlichkeiten

Normalerweise sind es 20-Jährige, die nach dem Abitur bei Peace Corps anheuern und die Annehmlichkeiten der USA gegen Abenteuer in einem Entwicklungsland eintauschen. In den vergangenen Monaten sah das Büro in San Francisco jedoch nicht nur die Zahl der Interessenten steigen. "Es kommen nun Leute zu uns, die älter sind, die schon im Berufsleben standen", sagt Dennis McMahon, der jüngst eine Anzeige zielgerichtet für Beschäftigte der New Economy schaltete. Ganz nach dem Motto: Start-ups kommen und gehen, nun aber ist es Zeit, sich mit den Realitäten der richtigen Welt auseinander zu setzen. (DER STANDARD, Print-Ausgabe)

Von Standard-Korrespondentin Rita Neubauer aus Palo Alto
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