Die gelbe Gefahr

13. September 2004, 14:52
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Porsche hat den 911 Carrera modellgepflegt und aus einem tollen Sportwagen einen noch besseren gemacht. Außerdem: Becherhalter! Handschuhfach! Heckglasscheibe beim Cabrio! Ansichtssache!


Da fährst du mit dem 911 Carrera Cabrio durch einen Tunnel im tiefen bayerischen Süden, sagt plötzlich der Kollege Beifahrer zu Dir: "Lass mich den Sound hören". Und dann macht es satt und kraftvoll brroaaaaarr, ohne dass es dabei gleich der Putz vom Tunnel bröckelt. Nur der porschetypische Schauer läuft dir dabei über den Rücken, aber das hat erstens mit Emotionen zu tun und ist zweitens gut so.

Leistungssteigerung

Anlass für den besonderen Soundcheck war die Präsentation des modellgepflegten Carrera. Dazu sei festgehalten: Leistungssteigerung. Coupé und Cabrio (beide wahlweise mit Heck- oder Allradantrieb erhältlich) rücken näher an den Turbo ran. Der von 3,4 auf 3,6 Liter Hubraum aufgebohrte Sechszylinder-Boxer leistet nun 320 PS. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 285 km/h, für den Sprung von Null auf Tempo 100 km/h brauchen die Coupés 5,0 Sekunden, die Cabrios gönnen sich zwei Zehntel mehr.

Auch optisch wurde der Abstand zu den Topmodellen kleiner, der zum Boxster größer. So wurde das Scheinwerferdesign vorn komplett vom Turbo übernommen.

Politisch korrekt und sauber

Auch die Formel "Mehr Motor = mehr Sportwagen" geht auf. Erstaunlich, was das bisserl mehr Hubraum bewirkt. Mehr wollen wir aus Gründen politischer Korrektheit dazu nicht sagen. Auch zu Handling und Fahrwerk muss man nix extra erzählen, so sauber, präzise lässt sich das Werkl durch die Kurven zirkeln.

Überland und im Ortsgebiet sei zu strenger Disziplin und Wachsamkeit gemahnt, lassen Sie den Tacho nicht aus den Augen. Ein Tupferl zuviel auf's Gaspedal, schon schnalzt man auf 150 Sachen rauf. Ein Wort aber schon noch zur zweiten Fahrbahnkategorie, auf der ein Porsche daheim ist, der deutschen Autobahn. Selbst bei Tempo 240, 250 ist Konversation im offenen Cabrio möglich, der Orkan bleibt draußen, und das ist eine höchst beachtliche Leistung.

Cupholder

Damit zu den weniger bewegenden Neuerungen. Das "Fetzendachl" hat jetzt statt der Kunststoff- eine beheizbare Heckscheibe aus Glas. Ferner: Es gibt endlich ein Handschuhfach. Und weil die Amis beim Autofahren mehr Zeit für andere Dinge als eben Auto fahren haben, wurde deren Wunsch nach Becherhaltern vulgo Cupholdern so übermächtig, dass Porsche sich ihrer erbarmt. Neuerdings gibt es also einen überaus gefinkelten Doppelhalter für Cola- und andere Hülsen. Haltegriff seitlich oben gibt's noch immer keinen, weil so was ist für Weicheier.

Luft und Wasser

Porsche ist erfolgreicher denn je, hat sich zum bestverdienenden Autounternehmen der Welt entwickelt. Der David schlägt die Goliaths. Die Produktionszahlen von 50.000 Autos wird man heuer locker überspringen, die flaue Autokonjunktur kann dem exklusiven Sportwagenhersteller nichts anhaben. Im Gegenteil, hört man: Je teurer die Autos, desto begehrter sind sie.

Zuletzt, Carrera: Erhältlich? Ab Herbst. Preis? Steht noch nicht fest. Zur Orientierung: Der Einstiegspreis für den "Alten" (Carrera Coupé) lag bisher bei 1.249.000 S (90.768 EURO).

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