Die Quellen der Macht

15. Februar 2002, 18:53
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Keine Karriere ohne die Anerkennung und Nutzung der eigenen Macht

Sprachwissenschaftlich betrachtet hat das Wort "Macht" seine Wurzel im Verb "mögen" in der Bedeutung von "können" und "vermögen". Daher ist

"Macht (ist) das Vermögen, seinen Willen gegen einen Widerstand durchzusetzen."

Erst wenn andere Interessen sich gegen die eigenen stellen, benötigt man Macht, um ein Ziel erreichen zu können.

  1. Macht der Materie

Nach dem Gesetz des Dschungels zählt in erster Linie körperliche Stärke. Wer einen anderen durch körperliche Muskelkraft bezwingen kann, liegt in der Rangordnung vorne. Im Laufe der Entwicklung von Gesellschaften erweiterte sich die Macht der Materie von der bloßen Muskelkraft auf Werkzeuge und Waffen. Besitz und Geld zählen ebenso zu der "mächtigen" Materie.

  • Macht der Herkunft
  • Eltern geben ihr eigenes Ansehen an die nächste Generation weiter. Diese bekommen damit "Vorschusslorbeeren" und automatisch einen leichteren Zugang zu wichtigen Aufgaben. Zur Macht der Herkunft gehört auch, welchem Volk man angehört.

  • Die Macht der Mehrheit
  • Unter dem Motto: "Gemeinsam sind wir stark" können Gruppen, die zahlenmäßig überlegen sind, bestimmen, was gemacht wird. Damit sie ihre Macht generieren können, brauchen sie einen Fokus, durch den sie sich bestimmen. Eine Mehrheit muss sich zuerst formieren und organisieren, um mächtig zu werden.

  • Die Macht des Wissens
  • Zur Macht des Wissens zählen die Verfügbarkeit von Informationen und Statistiken, Erkenntnisse und Allgemeinbildung, praktische Erfahrungen und Fertigkeiten.

  • Die Macht der Gefühle
  • Gefühle wie Liebe, Geborgenheit, Anerkennung oder Freude eignen sich ebenso wie Zorn, Verzweiflung und Eifersucht, um Macht auszuüben. Liebesentzug oder Beleidigtsein, Wutausbrüche oder Weinkrämpfe werden zur Durchsetzung der eigenen Interessen eingesetzt.

  • Die Macht der Funktion
  • Diese Macht ist in unserer Gesellschaft jene Form, die wir gemeinhin mit "Macht" bezeichnen. Sie betrifft Politiker, Manager, Richter,... Die Macht ist jedoch nicht an eine bestimmte Person gebunden. Die Position bleibt, aber die Person ist austauschbar. Ihr Wirkungsbereich ist außerdem genau definiert.

    Auch in modernen Organisationen mit flachen Hierarchien ist immer noch eine Rangordnung erkennbar. Derjenige, der andere einstellt oder entlässt, ist der "primus inter pares".

  • Die Macht der Kontakte
  • Wenn man etwas erreichen will, muss man jemanden kennen: Vertraute, Informanten, Netzwerke, Seilschaften, Clubs, Bünde, Vereine, Logen. Die Macht der Kontakte ist eine Anleihe bei der Macht, die andere haben. Es kann jedoch auch ein Gegengeschäft sein, denn der Nutznießer des Kontaktes wird irgendwann einmal zur Kasse gebeten.

  • Die Macht der Überzeugung
  • Die Macht der Überzeugung beruht auf dem, was in einer Gemeinschaft und von einem Individuum als "Wahrheit" betrachtet wird. Ihren Ausdruck findet sie in den Wertesystemen, Normen und Gesetzen einer Gesellschaft, in den Glaubensbekenntnissen der Religionen und denn herrschenden Paradigmen der Wissenschaft.

    Ohne Macht geht es nicht

    Wenn wir Macht nur von der negativen Seite sehen und ablehnen, können wir uns nicht über die Macht freuen, die wir bereits haben. Wir lernen dazu und entwickeln strategische Fähigkeiten. Nur mit Macht können wir Ziele erreichen, die wir uns gesteckt haben und ungerechtfertigte Machtansprüche anderer Personen abwehren. Ob zur Durchsetzung oder zur Abwehr: Ohne Macht geht es nicht! Oberstes Gebot ist und bleibt jedoch, Machtinstrumente sinnvoll einzusetzen , ohne ethische Grundsätze zu verraten.(red)

    Christine Bauer Jellinek: Die helle und die dunkle Seite der Macht
    Edition Va Bene 2000
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