Heroisches Himmelstrio

4. Jänner 2001, 19:12

Das comicshafte Recycling der TV-Serienlegende "3 Engel für Charlie"

Wien - Irgendwann sind sie dann wieder da, die Lieblingsserien der Kindheit. Aber eigentlich waren sie ja nie wirklich fort, bloß verloren in der Endlosschleife des Fernsehens, wo sie bedrängt von neueren Ablegern bald ziemlich alt aussahen. Bis sie endlich Hollywood (wieder-)entdeckt, mit Attributen der Gegenwart ausstattet und für den globalen Markt neu präpariert.

Jetzt also 3 Engel für Charlie. Manche erinnern sich: Das waren drei hedonistische Damen mit Föhnfrisur, allen voran Farrah Fawcett, die einer allwissenden körperlosen Stimme keinen Dienst abschlagen konnten und von 1976 bis 1981 in L. A. für Recht und Ordnung sorgten.

Drew Barrymore erinnerte sich jedenfalls, sprang ungefragt auf das Projekt auf, produzierte gleich mit und überredete Cameron Diaz zur Mitarbeit. Gemeinsam mit Lucy Liu (Ally McBeal, Shang-High Noon) erhalten sie nunmehr den Auftrag, einen entführten Wissenschafter und seine Erfindung, ein Programm, das Stimmen zu identifizieren vermag, sicherzustellen.

In der Regie von McG, bisher im Werbe- und Videobereich tätig, dient der Plot von
3 Engel für Charlie - trotz der kolportierten 15 Drehbuchautoren - jedoch nur als loses Gerüst, das Raum für allerhand Schauwerte bietet. Die nachhaltigste Abweichung von der TV-Serie besteht dabei in der Inszenierung der Körper: Martial-Arts-Experte Cheung-Yan Yuen, Bruder von Matrix-Choreograph Wo-Ping, ermöglicht den schlagfertigen Girls akrobatische Kampf- und Flugeinlagen, die zusätzlich zur expliziten Ausstellung weiblicher Reize den Filmfiguren einen comicshaften Attraktionswert verleihen.

Charakterliche Nuancen darf man sich bei Comicheldinnen keine erwarten. Barrymore ist wild, Diaz lebenslustig, Liu sinnlich kühl: McG treibt sie gehetzt von einer Szene in die nächste, wo sie mit Verkleidungen, in Verfolgungsjagden oder durch Fußmassagen ihre männliche Gegner überwältigen. Das gleicht mehr einer Nummernrevue, die generische Schauplätze wahllos plündert; etwa wenn Diaz ähnlich wie in Mission: Impossible im Handstand einen Safe knackt.

Dass 3 Engel für Charlie aber letztlich doch kurzweilig bleibt, verdankt er seinen satirischen Momenten: Nicht nur weil Bill Murray als "vierter Engel" Bosley an den einfachsten Dingen des (Agenten-)Lebens scheitert; auch das weibliche Trio ist keineswegs frei von Selbstironie: Diaz' nicht regelkonformer Auftritt im Club "Soul Train" oder Lius Schelte einer kafkaesken Herde von Angestellten sind durchaus gelungene Einlagen.

Wenn sich schließlich herausstellt, dass das Komplott in Wahrheit gegen Charlie, den großen Unbekannten, gerichtet ist, dann darf man das Engelsmanöver als Wahrung der Essenz jeder Serie verstehen: Deren Grundkonstanten müssen bestehen bleiben. Sonst gäbe es ja nichts, woran wir unsere Identitäten anlehnen könnten.
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 30. 11. 2000)

Von 
Dominik Kamalzadeh

3-engel-fuer-charlie.de
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