Ein Königreich für ein Interview!

10. Mai 2001, 19:22
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Mehr als ein Jugendtraum: Cameron Crowes "Almost Famous"

Wien - Ja, klar, junge Menschen, die eine Band gründen, um damit nicht nur die geilste Musik des Planeten zu machen und damit möglichst sehr sehr berühmt zu werden, sind wahrscheinlich seltsam. Noch eigenartiger sind aber vermutlich Menschen, die keine Band gründen, sondern ihr Leben damit verbringen, Bands und Stars und Beinahe-Stars nachzureisen und über sie zu schreiben bzw. zu versuchen, das ultimative Interview zu führen. Und das dann zu verkaufen. Worauf sich wiederum die, die das Interview gewährt haben, besser verkaufen. Oder?

Oder auch nicht.

Cameron Crowe, der selbst einer der besten Rock- und Pop-Journalisten war, weiß als Regisser und Autor von Almost Famous über dieses einzigartige Universum auf einzigartige Weise zu erzählen: Fanatische Rolling-Stone- und Spex-Leser werfen ihm zwar vor, dass etwa der Große Kritiker Lester Bangs nie im Leben so verschroben gewesen sein kann, wie hier porträtiert. Vermutlich lügen sich da aber viele durchaus liebenswert Verschrobene in die eigenen Taschen.

Jedenfalls: Almost Famous funktioniert einerseits hervorragend als detailreiches Porträt der 70er-Jahre und des damaligen Tour- und PR-Zirkus. Andererseits erfüllt der Film ganz märchenhaft Träume wie den vom Star, der seinen Fan im Jugendzimmer besucht, und ihm sagt: "Okay, ich habe dich verraten" - und das ist einfach legendär.

Dazu: Großartige Darbietungen von Goldie Hawns Tochter als fragiler Groupie-Schönheit, Billy Crudup als eher instabilem Leader einer Band mit dem schönen Namen Stillwater, Patrick Miller als verträumtem schreiberischem Jungtalent sowie Frances McDormand als seiner Mutter, deren Angst vor Drogen mehrere Screwball-Comedy-Einlagen verschönt. Ein absoluter Lieblingsfilm dieses Jahres also, und ein würdiger Nachfolger von Crowes Meisterwerk Jerry Maguire. Dessen Star Tom Cruise hat zuletzt übrigens schon wieder eine Kollaboration mit Crowe fertiggestellt: Vanilla Sky. Zartbitter vor ganz weiten Horizonten - eine Spezialität dieses Filmemachers.
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8. 5. 2001)

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    almost-famous.de
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