Macht und Autorität

15. Februar 2002, 18:54
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Überholter Führungsstil oder notwendiges Managementkonzept?

Der Begriff Macht verführt zur Polarisierung: Schnell wird zur Macht deren Missbrauch assoziiert, und der scheint so gar nicht in das Zeitalter der offenen Kommunikation und der Partizipation der Unternehmen zu passen. Andererseits ist und bleibt Machtpolitik Teil des Unternehmensalltags, in dem nach den Regeln des Wettbewerbs gekämpft wird.

Grenzen der Macht

Manager auf allen Ebenen erfahren Tag für Tag die Möglichkeiten und Grenzen ihres Handlungsraumes, ihrer Macht. Sie wollen Entwicklungen gestalten, Veränderungen durchsetzten, scheitern jedoch trotz eines hervorragenden Konzeptes. Wer das Spiel der Macht nicht beherrscht, wird nichts verändern.

Kehrseite der Medaille

Gleichzeitig verstärkt sich jedoch der Eindruck, dass die Dynamik der Märkte Wettbewerb und Geschwindigkeit fordert, und jeder nur ohnmächtig zuschauen kann, wie das große Räderwerk das Tempo und die Richtung vorgibt. Anhaltende Machtlosigkeit wird als Kontrollverlust empfunden, die betroffenen Menschen fühlen sich als Objekt missbraucht, emotional ausgebeutet und fremdbestimmt.

Vorstellungen von Macht

"Macht ist die Fähigkeit zu handeln" (Elisabeth Moss Kanter)

Mächtig sind diejenigen, die die Aktionen, die das Geschehen kontrollieren und beherrschen. Entscheidend ist nicht Position oder Funktion, nicht die Zuordnung von vielen Mitarbeitern, sondern die Möglichkeit zu bestimmen, ob etwas passiert oder nicht.

"Macht bedeutet jede Chance, innerhalb einer sozialen Beziehung den eigenen Willen auch gegen Widerstreben durchzusetzen, gleichviel, worauf diese Chance ruht." (Max Weber)

Hier wird die Definition um den Aspekt des Widerstandes ergänzt. Der Mächtige muss sich auch auf Konflikte einlassen können, die oft subtil, verdeckt und nicht leicht durchschaubar ausgetragen werden.

Macht geht jeden an

Machtkonflikte werden nicht nur in den Vorstandsetagen ausgetragen, sondern betreffen jede Organisation. Die kapitalistische Gesellschaft sucht nach Vor- und Nachteilen. Der freie Personalmarkt bewirkt, dass jeder für sein Weiterkommen selbst verantwortlich ist, jeder muss zu einem Interessenvertreter in eigener Sache werden. Die eigenen Interessen sind aber ohne Macht nur schwer durchzusetzen.

Persönliche Autorität

Autorität sind die persönlichen und institutionellen Voraussetzungen, Entscheidungen zu treffen und etwas zu bewirken. Autorität ist notwendiger Bestand jeder Führungsrolle und eng mit Macht verknüpft. Diese Macht, die im Bewusstsein der Verantwortlichkeit steht, ist die Macht der Zukunft. Sie ermöglicht Spielräume für die eigenen, realistischen Handlungsaufgaben zu schaffen.

Tabuisiertes Thema

Führungskräfte müssen sich heute mehr mit Macht auseinandersetzen als früher, als ihnen die Hierarchie diese Aufgabe abnahm. Sie sind mit mehr Verantwortung und Kompetenzen ausgestattet, müssen sich aber ihre Durchsetzungskraft erst erarbeiten. Das Thema Macht wird in vielen Organisationen jedoch tabuisiert. Es ist nicht salonfähig, da ein offener Dirskurs die Macht der Mächtigen erschüttern würde. "Tabus sind Mittel zur Erhaltung bestehender Machtverhältnisse".

Persönliches Coaching bietet da den Raum, berufliche Herausforderungen mit den persönlichen Voraussetzungen zu Macht, Durchsetzungsvermögen aber auch Aggression in Beziehung zu setzen und diese Kraftquellen zu erschließen. (red/Quelle. Mauritius Lohmer, Macht - Mystifikation oder notweniges Managementkonzept?, Hernsteiner 2/2001)

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