Die transkulturelle Ästhetik der Akemi Takeya

3. August 2001, 22:29
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In Zusammenarbeit mit Ko Murobushi entsteht die ImPulsTanz-Eigenproduktion "Black Honey Drops"

Wenn Akemi Takeya ihre Sicht der Welt auf die Bühne bringt, ist das ein in mehrfacher Hinsicht weltumspannendes Ereignis: Einerseits vereint die in Japan geborene und seit 1991 in Wien lebende Künstlerin geographisch-kulturelle Gegenpole in sich, andererseits versöhnt sie die Künste in ihrer westlichen und östlichen Ausprägung miteinander: Tanz, Theater, Pantomime und Gesang.

Sie ist eine charismatische Darstellerin, verfügt über ein beachtliches Stimmvolumen, hohe Musikalität und eine lyrische Sprachbegabung. Mit analytischer Präzision verbindet sie diese Talente zu einem einzigartigen Bühnenereignis: Spiele aus Licht und Schatten, die um die universellen und zeitlosen Thema von Tod und Wiedergeburt kreisen und zwischen dem weiblichen und männlichen Prinzip der menschlichen Natur oszillieren.

Seit 1997 tritt Takeya als Soloperformerin in Erscheinung, der künstlerische Durchbruch gelang ihr vor zwei Jahren mit Drowning Fish, wofür sie mit dem Österreichischen Tanzproduktionspreis ausgezeichnet wurde. Den minutiös gestalteten Stücken stehen improvisierte Arbeiten gegenüber, etwa Yuragi oder Multiple Space (mit Christian Fennezs). Bei einer ersten Fassung des neuen Stückes Black Honey Drops sah man, wie sich die Performerin in schmerzvoll langsamer Art aus einer Plastikhaut schälte und im Zusammenspiel mit Videoprojektionen die Grenzsituation erotischer Erfahrung nachspürte.

"Ich verbinde Eros mit Schmerz, Ekstase und Liebe und experimentiere damit. Was auf der Bühne entsteht, bin immer ich", behauptet Akemi Takeya. "Ich übersetze nur mich selbst." Diese "Übersetzungen" sind jedoch immer auch ästhetische Höhenflüge.

Im Zusammenspiel mit dem visuellen Design von Krisha Piplits und den Kostümen von Eberhard von Knobloch entstehen seit Jahren die schönsten Arbeiten von Akemi Takeya. Für Black Honey Drops hat das erfolgreiche Team darüber hinaus Ko Murobushi als künstlerischen Supervisor zur Seite. Ein Wiedersehen mit dem Altmeister des Butoh-Tanzes gibt es am 24. Juli im Akademietheater, wo er mit seinem jüngsten Solo [Edge] 01 auftritt. Auch hier: formvollendete Erlebniswelten.
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11. 7. 2001)

Von
Edith M. Wolf Perez

12. 8., 19.30
MQ-Halle G
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