"Gemma doch einmal essen ..." ist zu wenig

19. November 2001, 10:51
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Kein Business-Lunch ohne ausreichenden Grund

Zeit ist die knappste Ressource eines Managers. Manche Geschäftspartner oder Lieferanten kapieren das leider nicht und nerven uns mit dem häufigen Ansinnen nach ... "gemma doch einmal essen ..." obwohl es dafür gar keinen ausreichenden Grund gibt.

Kein Anlass

Sie haben weder ein konkretes Thema noch ein bestimmtes Anliegen oder ein Problem, das es rechtfertigen würde, beim Businesslunch behandelt zu werden. Sie wollen einfach nur "ein bisschen plaudern" und einander treffen. Derlei Lunchpartner sind meist echte Zeitdiebe.

Aspekt des Nutzens

Eine der wichtigsten Regeln für einen gelungenen Businesslunch ist der Aspekt des Nutzens. Sowohl Einlader als auch Eingeladener müssen ihren persönlichen Nutzen aus einem Mittagstermin ziehen können.

"Frühstücksdirektoren"

Niemand "steht" in einer buchstäblich übersättigten Zeit wie heute auf ein gutes Papperl alleine. Oder: Wer hat schon die Zeit, nur des Essens wegen zum Businesslunch zu gehen? Man nennt sie "Frühstücksdirektoren". "Lunchdirektoren" würde ebenso auf sie zutreffen. Jene Spezies von Geschäftsleuten, die dem Irrglauben verfallen sind, dass allein die Konsumation eines Businesslunches schon Business bedeutet.

Larifari-Termine sind pure Zeitverschwendung

Mit solchen Leuten sitzt man dann zwei sinnlose Stunden herum und quält sich durch inhaltslosen Smalltalk, der schon bei den allseits beliebten Cocktailpartys unerträglich sein kann. Meistens stellen sich diese Larifari-Termine als pure Zeitverschwendung heraus. Mir schmeckt bei derartigen, sich als überflüssig entlarvenden Terminen meist auch nicht einmal mehr das Essen.

Nein sagen

Wie kann man sich gegen diese Zeitdiebe wehren? Indem wir lernen, öfter Nein zu sagen. Eine gute Sekretärin etwa filtert Businesslunch-Wünsche von hartnäckigen Lieferanten bereits im Vorfeld heraus und versucht, den gewünschten Termin ins Büro zu verlegen und damit abzukürzen.

Sekretariat vergibt Termine

Gefährlich sind die Ad-hoc-Einladungen, von denen man gerne bei persönlichen Aufeinandertreffen bei Events überrumpelt wird. Zücken Sie daher nicht gleich auf die Frage nach einem Lunchtermin naiv Ihren Kalender, sondern verweisen Sie vorsichtshalber einmal auf Ihr Sekretariat am nächsten Tag. So kann Ihre Assistentin Ihnen eine Entscheidungsgrundlage liefern, ob die Angelegenheit wirklich einen zwei- bis dreistündigen Mittagstermin wert ist, oder ob es nicht auch ein Kaffeetscherl im Office tun würde.

Verbesserung von Beziehungen

Natürlich dient der Businesslunch grundsätzlich der Verbesserung von Beziehungen zu unseren Kunden, zu Mitarbeitern oder zu wichtigen Opinionleaders. Aber immer kommt es auf den Inhalt und damit auf das persönliche Nutzenerlebnis an. Bei lediglich rund 150 Mittagsterminen, die wir im Jahr zur Verfügung haben, dürfen wir diese nicht gutmütig und leichtfertig an jeden, der danach begehrt, vergeben. Sonst fehlt uns nämlich die Zeit für die wirklich wichtigen Appointments. (DER STANDARD, Print-Ausgabe)

Von Wolfgang Rosam
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