Acht Fragen zum Draken-Nachfolger

22. März 2002, 13:54
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Wozu braucht das Bundesheer Abfangjäger? Die übliche Antwort - auch jene vieler Bundesheer-Offiziere - läuft darauf hinaus: Weil alle anderen auch welche haben. Das mag ein Argument sein, aber es ist nicht das entscheidende. Die eigentliche Aufgabe, die den Abfangjägern zugedacht ist, ist vor allem eine luftpolizeiliche: Es geht darum, Flugzeuge im österreichischen Luftraum zu beobachten und ihre Flüge zu dokumentieren.

Sind die österreichischen Abfangjäger je ernsthaft eingesetzt worden? Ja, mehrfach. 1991 wurden sie während des slowenischen Unabhängigkeitskrieges zur Grenzsicherung verwendet. Während des Krieges im Kosovo stellten sie sicher, dass keine Nato-Angriffe über österreichisches Gebiet durchgeführt wurden. Eine Abfangjagd wird üblicherweise angeordnet, wenn das Radarsystem Goldhaube ein unangemeldetes oder sonstwie verdächtiges Flugzeug im Anflug auf den österreichischen Luftraum meldet. Falls unerlaubte oder neutralitätswidrige Waffentransporte durch den österreichischen Luftraum vermutet werden, können die Abfangjäger solche Flugzeuge zur Landung zu zwingen. Dasselbe gilt auch bei Überflügen von Kampfflugzeugen.

Warum braucht man für Polizeiaufgaben so teure Flugzeuge? Abfangjäger müssen ein umfangreiches Spektrum an Aufträgen erfüllen können - einem Eindringling in den Luftraum gegenüber müssen sie an Tempo, Flughöhe und Kampfkraft zumindest ebenbürtig sein.

Fallen solche Aufgaben nicht weg, wenn Österreich von EU-Staaten umgeben ist? Prinzipiell nein - nicht einmal dann, wenn (was nicht absehbar ist) wir der Nato beitreten sollten. Die Luftraumüberwachung gehört sowohl für neutale Staaten als auch für Bündnismitglieder zum Schutz der eigenen Souveränität.

Reicht es nicht, wenn Österreich die Luftraumüberwachung mit den alten Draken macht? Diese Möglichkeit ist schon weit über die ursprüngliche Planung hinaus ausgereizt. Die 24 generalüberholten Draken wurden 1985 bestellt (und ab 1987 ausgeliefert), um Österreich für zehn Jahre die Luftraumüberwachung sicherzustellen. Geplant war, spätestens 1995 neue Flugzeuge zu bestellen, die ab 1997/98 die inzwischen fast 40 Jahre alten Draken ersetzen sollten. Da Österreich keinen zweisitzigen Draken besitzt und weltweit keine andere Luftwaffe Draken betreibt, können heute schon keine neuen Draken- Piloten mehr ausgebildet werden. Auch Ersatzteile werden knapp.

Was passiert, wenn jetzt keine neuen Abfangjäger gekauft werden? Die derzeit noch 22 flugtüchtigen Draken müssen in den nächsten Jahren nach und nach stillgelegt werden. Für eine Übergangszeit könnten die stillgelegten Flugzeuge als Ersatzteilreserve dienen. Gravierender ist die Tendenz von Piloten und hochqualifizierten Flugtechnikern, sich einen Job in der Privatwirtschaft zu suchen. Ein Luftraumüberwachungsgeschwader müsste dann später auch personell ganz neu aufgebaut werden, was Jahre dauert.

Wieso weiß man nicht einmal, was die Draken- Nachfolger kosten werden? Kampfflugzeuge (und die meisten anderen militärischen Geräte) werden üblicherweise auf Auftrag produziert oder an die nationalen Gegebenheiten wie die große Seehöhe des Fliegerhorstes Zeltweg adaptiert. Dazu kommt, dass nie Flugzeuge allein gekauft werden, sondern ein ganzes System (zu dem die Werfteinrichtung und ein Ersatzteilvorrat gehört) auf den jeweiligen Bedarf des Bestellers zurechtgeschneidert wird - von diesem Bedarf hängt auch die Zahl der im System enthaltenen Flugzeuge und ihr Preis ab.

Wie kommt es zu der Behauptung, dass sich die Abfangjäger durch Gegengeschäfte selbst finanzieren? Rüstungstechnologie ist Hochtechnologie - und die Lieferanten bieten üblicherweise Gegengeschäfte von 150 bis 200 Prozent des Bestellwertes an. Es werden dafür Betriebe oder Betriebsteile angesiedelt, die Steuern und Abgaben zahlen. Beim Draken wurde die Vereinbarung übererfüllt. (DER STANDARD, Print, 21.6.2001)

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