"Echte" Bilder vom Angriff: Mangelware

2. November 2001, 11:53
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Zu den Ungereimtheiten in Pearl Harbor gehört als Nebenfigur ein Wochenschau- Kameramann, der während des Angriffs der kaiserlichen japanischen Marine auf die in Pearl Harbor stationierten Teile der US-Pazifikflotte munter vor sich hin filmt.

De facto gibt es kaum authentisches Material von Pearl Harbor, speziell nicht von dem Angriff selbst. Von japanischer Seite her existieren vor allem Standbilder, die mit automatischen Kameras aufgenommen wurden, sowie etwas Filmmaterial, primär von den Vorbereitungen, und Aufnahmen des Angriffs selbst, die wohl von Aufklärern gemacht wurden.

Generell hatte man aber anscheinend auf einen Kameramann während des Angriffs verzichtet: wohl weil man es für fahrlässig hielt, bei einer derartigen Aktion auch nur ein Flugzeug für Dokumentationszwecke zu verschwenden.

Die Bestandsaufnahme der US-Seite ist noch spärlicher: es existieren 200 Fuß 16mm-S/W- sowie 100 Fuß 8mm-Kodachrome-Farbmaterial, im Wesentlichen von den Folgen des Angriffs. Diese Bilder fanden später wenig direkte Verwendung, sondern dienten primär als Rekonstruktions-Anschauungsmaterial.

Darüber hinaus wurden - wie oft in solchen Fällen - "dokumentarische" Szenen im Nachhinein inszeniert: December 7th von Greg Toland und John Ford entstand 1942/43. Mit nachgestellten Sequenzen - aus eigenen Beständen wie aus Beutematerial - operierte auch der erste amerikanische Pearl-Harbor-Film - Lew Landers’ Submarine Raider (1942).
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 2./3. 6. 2001)

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