Bakterien als Packesel für Medikamente

31. Mai 2001, 21:46
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Kolibakterien aus unserem Darm als Nanowerkzeuge

College Station/Wien - "Die Kolibakterien, die normalerweise in unserem Darm wohnen, sollen sich nützlich machen", berichtet Michael Manson (Texas A&M University, College Station) dem STANDARD, "und als Umweltsensoren arbeiten oder Medikamente zielgenau transportieren oder Nanowerkzeuge werden."

Dazu wird zunächst einmal analysiert, wie Bakterien ihre Umwelt bzw. die Chemikalien darin wahrnehmen. Das tun sie mittels "Chemotaxis": Sie unterscheiden mit Rezeptoren, ob etwas gut oder schlecht für sie ist. Dann schwimmen sie zum Guten hin - etwa Futter - und vom Schlechten weg - etwa giftigen Metallen.

Aber die Forscher haben einen Rezeptor gentechnisch so verändert, dass die Bakterien vor Nitrat fliehen, einem ihrer wichtigsten Nährstoffe. Daraus zieht man die Hoffnung, die Rezeptoren auf verschiedenste Chemikalien "prägen" und diese Bakterien zum Umweltmonitoring nutzen zu können.

Aber sie sollen auch bestimmte Ziele finden und als "Packesel" Medikamente dorthin transportieren. Dafür kombiniert man sie mit Phagen, das sind Bakterienparasiten, die sich auf Bakterienhüllen setzen, ein Loch in sie bohren und ihre DNA hineinschicken. Normale Phagen sind für Bakterien tödlich, aber manche lassen sich durch Mutationen harmlos machen und sitzen dann einfach außen auf den Bakterien. An ihnen will man Medikamente anhängen, die die Bakterien dann - via Chemotaxis - präzise zu Zielzellen bringen.

Schließlich will man in einem ganz anderen Bereich die Fortbewegungskraft der Bakterien selbst nutzen: Sie haben elektrochemisch betriebene Propeller, die sehr rasch rotieren. Diese könnten in der Nanotechnik eingesetzt werden, etwa als Pumpen. (jl, DER STANDARD, Print-Ausgabe 1. 6. 2001)

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