Neuer Speicher für Quantencomputer

31. Mai 2001, 21:31
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Innsbrucker entwickeln stabileres Medium

Innsbruck/Wien - Ein Forscherteam an der Universität Innsbruck hat ein neues Speicherkonzept für den Quantencomputer entwickelt. Wie Peter Zoller dem STANDARD berichtet, treten dabei als Speichermedium Ionen, also elektrisch geladene Atome, an die Stelle von Photonen.

"Im freien Raum in einer Ionenfalle wie in einer Kette aufgefädelt" erwiesen sich diese Atome, mit Laserlicht heruntergekühlt, als weitaus stabiler. Aufgrund der so genannten Coulomb-Abstoßung schweben die fünf bis zehn Teilchen in der Falle berührungsfrei. Bisherige Ansätze hatten dagegen auf dynamische Effekte gesetzt.

"Die Information ist bei der neuen Version des Computers nicht wie bei Photonen in Millisekunden wieder weg, sondern kann stundenlang gespeichert werden", erläutert der Physiker und Wittgenstein-Preisträger. "Der neue Trick, den wir vorschlagen", sagt Zoller, "beruht auf geometrischen Phasen." Beim künftigen Quantencomputer würden sie so genannten Gatteroperationen, also Schaltkreisen, entsprechen. Der große Praxisvorteil dieser neuen Konzeption: "Der Computer wäre fehlertoleranter", erklärt Zoller, würde vom eingesetzten Laser weniger Stabilität erfordern.

Quanten-Know-how made in Austria

Mit dieser Neuentwicklung setzt das Innsbrucker Forscherteam um Zoller und seinen spanischen Professorenkollegen Ignacio Cirac eine kleine Tradition großer heimischer Forschungserfolge fort. Diese steht nun auch in der aktuellen Ausgabe von Science nachzulesen. Finanziert wird der Sonderforschungsbereich "Control and Measurement of Coherent Quantum Systems" unter anderem vom Wissenschaftsfonds (FWF). (DER STANDARD, Print-Ausgabe 1. 6. 2001)

Von Roland Schönbauer
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