Seide vom Kartoffel-Acker?

31. Mai 2001, 21:20
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Forscher konnten das Seidenprotein einer Spinne in das Erbgut von Nutzpflanzen einbauen

Gatersleben - Udo Conrad und Kollegen vom Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung Gatersleben (IPK) ist es gelungen, das Seidenprotein einer Spinne in das Erbgut von Tabak- und Kartoffelpflanzen einzuschleusen. Die Pflanzen produzieren relativ große Mengen des Seiden-Eiweißes - zwei Prozent der Gesamtmenge der Pflanzenproteine - und "arbeiten" damit bis zu zehnmal billiger als gen-veränderte Bakterien, so das Fachmagazin Nature Biotechnology.

Die Proteine sind ein begehrter Rohstoff für künftige Hightech-Gewebe. Ingenieure und Materialforscher wollen die Eigenschaften der natürlichen Seidenfasern, ihre extreme Stabilität, Elastizität und Reißfestigkeit, auf künstliche Weise nachbauen. Zudem eignen sich die Fasern auch für ungiftige und biologisch abbaubare medizinische Gewebe. Nun liegt die größte Schwierigkeit darin, die Proteine auf solche Weise zu Fasern zu verarbeiten, wie es die Seidendrüsen der Spinnen vermögen.

Conrads Team hatte die Seidengene der südamerikanischen Goldnetzspinne (Nephila clavipes) in die DNA der Pflanzen eingeschleust. Sie können die Proteine günstiger produzieren als Bakterienkulturen, weil sie bestimmte Aminosäuren, relativ teure Grundsubstanzen des Eiweißes, im eigenen Stoffwechsel selbst herstellen können. Bakterienkulturen müssen damit "gefüttert" werden. (pte)

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