Schulreform, oben beginnend

31. Mai 2001, 20:46
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Brandsteidl konkretisiert erste Pläne für Stadtschulratsamt

Wien - Sie ist recht entzückt, in so einem schönen neuen Haus ihr neues Amt antreten zu dürfen. "Da ernte ich die Früchte meines Vorgängers, der dafür gesorgt hat." Ganz charmant zeigte sich Susanne Brandsteidl, die gestern als neue Stadtschulratspräsidentin angelobt wurde. Sie übernahm damit formal das Amt von Kurt Scholz, der zum Restitutionsbeauftragten der Stadt Wien gemacht wurde.

Unter Zuhilfenahme des erhobenen Zeigefinger

Brandsteidl ordnet die Dringlichkeit ihrer künftigen Pläne nach "kürzest-, kurz-und mittelfristig" - anschließend vorsichtig dargelegt unter Zuhilfenahme des erhobenen Zeigefingers. Die langfristigen Strategien wolle sie erst im Herbst bekannt machen. Doch andeutungsweise nimmt sie sich viel vor: Eine komplette Reform der Oberstufen von allgemein- und berufsbildenden höheren Schulen will sie ebenso angehen wie die Ausbildung der Lehrer selbst. Dazu plane sie neue Formen der Begabungsförderung. Mehr Details? "Ich sag' noch nix."

Konkreter ist das "Kürzestfristige", das bis Herbst zu erledigen ist: die "Organisation des Schulalltags" für das neue Schuljahr im Herbst. Dazu gehöre die Regelung der Nachmittagsbetreuung oder Förderstunden für Schülerinnen und Schüler, deren Muttersprache nicht Deutsch ist, was angesichts von Sparpaketen schwierig zu organisieren sei.

Assessment-Center

Die "Objektivierung", sprich: die Suche nach Kandidaten für Direktor-, oder Verwaltungsposten im Schulbereich nach objektiven Kriterien ist, so scheint's, das momentane Lieblingsthema Brandsteidls, das sie umzusetzen gedenkt. Jene, die sich um leitende Schulposten bewerben, müssen ein Assessment-Center (AC) absolvieren. Die Finanzierung desselben ist jedoch offen. Vizebürgermeisterin Grete Laska nennt die Kosten pro AC "bis zu 120.000 Schilling". Bei den "vielen Bestellungen im Pflichtschul- und AHS-Bereich", die alleine bis September in Wiener Schulen durchgezogen werden müssen, mache das "drei Millionen". Beim Stadtschulrat gibt es kein Budget dafür. Die Stadt Wien habe die Kosten übernommen - bis jetzt, so Laska. Künftig solle der Bund zahlen, denn der habe zwar Auswahlverfahren verbindlich vorgegeben, zahle aber nicht.

Die Diskussion schwelt seit zwei Jahren, und der Bund finanziert in keinem anderen Bundesland Assessment-Center. Dennoch: Es werde darüber mit dem Unterrichtsministerium verhandelt, so Laska. Sie winkt mit der Rute im Fenster: Sonst sei zu überlegen, wo anderswo Geld umgeschichtet werde könne. Dann werde die Stadt kürzen, wo bisher mit dem Bund gemeinsam finanziert wurde - etwa beim Pädagogischen Institut.

Schulschließungen werde es nicht geben, beruhigen Brandsteidl und Laska: Kein Schulstandort werde aufgelassen, sondern neue Schultypen würden dort angesiedelt. Das treffe in der Arzbergergasse im 17. Bezirk zu, wo statt der Hauptschule, für die "kaum mehr Kinder angemeldet wurden", nur mehr eine Volksschule geführt werde. In der Reisnerstraße (Landstraße) werden die beiden bestehenden Volksschulen zu einer zusammengefasst. (aw, DER STANDARD Print-Ausgabe 1. Juni 2001)

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