Stammzellen: "Superman" verklagt US-Regierung

31. Mai 2001, 20:38
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Christopher Reeve sieht Therapien verhindert

Washington - Der durch einen Reitunfall querschnittsgelähmte "Superman"-Darsteller Christopher Reeve hat - gemeinsam mit sieben führenden US-Forschern - eine Klage gegen die US-Regierung eingebracht: Durch ihre De-facto-Blockade der Forschung an Embryonalen Stammzellen (ES) verhindere sie die Entwicklung von Therapien für viele Leiden, etwa Querschnittslähmung.

ES sind jene Hoffnungsträger, von denen die Medizin sich alle erdenklichen Transplantate verspricht. Da aber bei ihrer Gewinnung Embryonen zerstört werden, sind sie ethisch umstritten und haben in den USA zu einer brüchigen Rechtslage geführt: ES-Forschung ist nicht verboten, Privatfirmen dürfen sie betreiben. Aber öffentlich geförderte Forschung durfte lange nicht betrieben werden. Erst letzten Herbst fand sich ein Kompromiss: Auch Universitäten dürfen an ES forschen, aber sie dürfen sie nicht herstellen; sie müssen sie bei Privaten kaufen.

Dieser Kompromiss ist unter der neuen Regierung in Gefahr. Zwar hat sich George Bush nur im Wahlkampf gegen ES-Forschung ausgesprochen und seit Amtsantritt nichts dazu gesagt. Aber er hat eine ES-Kommission eingesetzt - und die hat noch nicht getagt. Deshalb ist die öffentliche Forschung de facto blockiert - Genehmigungsanträge werden nicht bearbeitet - und geht stark zurück.

Die Regierung hat zur Reaktion auf die Klage 60 Tage Zeit. (jl, DER STANDARD Print-Ausgabe 1. Juni 2001)

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