Kopffreiheit für die Zehen, sozusagen

21. September 2004, 14:47
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Der neue Honda Stream hat in überraschender Manier sieben Sitze unter ein Dach gebracht. Die Klarheit der Linie verdichtet sich jedoch zu einem kleinen Schönheitsfehler.


Es ist schon erstaunlich, wie oft man das Thema Minivan neu erfinden kann. Honda zum Beispiel nennt den neuen Stream "siebensitziges Coupé", was irgendwie schon ein bissl stimmt, weil er nicht besonders hoch ist, aber innen trotzdem geräumig. der Trick: Ein besonders flach konstruierter, dabei völlig ebener Boden. Ein kluger Ansatz: Man hat die Kopffreiheit sozusagen bei den Zehen gewonnen.

Aufgehobene Grenzen

Damit sind wir schon beim ersten wichtigen Punkt: Er fühlt sich in Kurven viel weniger als Minivan an, weil sich seine Seitenneigung tatsächlich, wie versprochen, in Grenzen hält, aber von Coupé-Feeling kann auch nicht ernsthaft geredet werden. Trotzdem: Die Grenze zwischen Minivan und Kombi ist immerhin aufgehoben.

Glatte Linien

Ein recht hübsches Ding steht nun also da, vorausgesetzt, man fährt nicht allzu sehr auf das weit verbreitete Fettpölsterchen-Design ab. Glatte Linien sind bekanntermaßen eine Honda-Spezialität. Die Japaner lassen sich offenbar ungern von kurzfristigen Moden ablenken.

Atmosphärisches Äußeres

Was auch erwähnt gehört: Der Stream wirkt atmosphärisch sehr amerikanisch. Nicht nur wegen des um die Heckscheibe laufenden Leuchtenbandes mit Zierleiste. Der Innenraum ist äußerst staubegabt.

Allerdings gibt's nichts, was Honda jetzt neu erfunden hätte. Die versenkbare dritte Sitzreihe hat auch der Opel Zafira, die Schalthebelanordnung in mehreren Fiats, und was Ablagen und Becherhalter betrifft, gibt's auch praktische Franzosen. Aber als schlaues und sympathisches Gesamtpaket können wir den Stream durchaus gelten lassen.

Schönheitsbeinträchtigender Kompromiss

Das fällt auch deshalb leicht, weil sich die Klarheit der Linie dann in jedem Detail in Form von sauberer Verarbeitung widerspiegelt. Zurück zum Coupé-Gedanken. Das ist natürlich ein besonders ehrgeiziges Ziel, ein Auto nach dem Schuhschachtel-Prinzip als windschnittige Erscheinung anzulegen. Irgendwie haben sich aber in der Heckpartie alle Kompromisse zu einem kleinen Schönheitsfehler verdichtet. Sieht trotz schwungvoller Seitenscheibe ein bissl rucksackig aus.

Der insgesamt aber doch schlanke Eindruck kann beim Einparken allerdings zu deftigen Überraschungen führen. Mit über viereinhalb Metern Gesamtlänge ist der Stream schon den ausgewachsenen Limousinen zuzuordnen. Besonders hervorzuheben ist der Fahrkomfort.

Markante Motorakustik

Allerdings kippt der vorerst exzellente Eindruck eine Spur zu früh ins Gegenteil. Man merkt, dass dieser Wagen in erster Linie für den US- und japanischen Markt maßgeschneidert ist. Denn ab 120 km/h wird der Motor plötzlich laut, was aufgrund der immer noch geringen Roll-und Windgeräusche im Innenraum besonders markant zu erleben ist. Das wäre vielleicht der einzige triftige Grund, zum nächststärkeren Zweilitermodell zu greifen. Oder wenn man tatsächlich ständig voll beladen fährt.

STECKBRIEF

Honda Stream

MOTOR
  

4-Zyl.-Motor, 16 Ventile, 1 verstellbare Nockenwelle (VTEC)

Hubraum 1668 ccm
Leistung
92 kW (125 PS)
Max. Drehmoment  154 Nm 
(bei 4800/min)
ANTRIEB   

5-Gang-Getriebe, Frontantrieb

FAHRLEISTUNGEN   
0-100 km/h ca. 11,1 sec.
Höchstgeschwindigkeit 190 km/h
MASSE   
Länge/Breite/ Höhe 4570/1695/1590 mm
VERBRAUCH    
(Stadt/Land/Gesamt) 9,9/6,5/7,7 l/100 km
GEWICHTE
  
Leergewicht/Zuladung  1433/ 557 kg
TANKINHALT  
In Litern 55
PREIS

Ab 299.900 S (21.795 EURO)

Von Rudolf Skarics

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