Fußangeln für Sanierer

31. Mai 2001, 18:48
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Amadeus hängt in Mietverträgen - Partnersuche "fortgeschritten"

Wien - In den Zeiten der Expansionseuphorie wurden beim jetzt trudelnden Handelskonzern Libro einige Fußangeln für die Sanierer vorverlegt: Im Kaufhaus Steffl, aus dem sich die Buchhandelstochter Amadeus wegen schlechten Geschäftsgangs wieder zurückziehen will, wurde ein längerfristiger Vertrag unterschrieben. Bei Steffl-Eigentümer Palmers wurde noch nicht offiziell um Auflösung ersucht. Dort heißt es dazu vorerst: "Kein Kommentar." Drei unrentable Amadeus-Häuser sollen zugesperrt werden: außer dem Steffl-Standort jene in Wien 21 und Innsbruck. Laut Insidern sind aber noch zwei oder drei weitere Filialen von der Schließung bedroht.

Bestätigt wurde am Donnerstag weiters, dass Amadeus-Geschäftsführer Klaus Karnutsch im Oktober abgelöst wird, allen Anzeichen nach von Michael Höferer, dem Exchef der Österreich Werbung und derzeitigen Libro-Retail-Leiter. Aus dem Unternehmen hört man, dass Karnutsch wegen der Expansionsvorgaben mit Libro-Chef André Rettberg zusammengekracht sei. Rettberg urgierte sechzig Standorte binnen drei Jahren in Österreich, mehr als eine Verdoppelung. Aber: Schon mit den heute 29 Filialen ging Amadeus finanziell die Luft aus. Karnutsch habe offenbar die Konsequenzen gezogen und im Herbst des Vorjahres entschieden, im Stillen den Weg in die Selbstständigkeit zu suchen.

Abgänge

Indessen wurden auch Details über den jüngsten Wechsel in der Libro-Konzernspitze bekannt. Werner Steinbauer, der kürzlich von Sanierer Otto Arbeiter und Bernhard Chwatal abgelöst wurde, habe Aufsichtsratschef Kurt Stiassny zwar zugesagt, er könne den "Scherbenhaufen" Libro sanieren, aber nur, wenn Rettberg seinen Hut nehmen würde, wissen Eingeweihte. Dem habe Stiassny aber nicht entsprechen wollen. Also ging Steinbauer.

Rettbergs Tage als "Mr. Libro" dürften aber gezählt sein, sobald ein neuer Partner im maroden Konzern das Sagen haben wird. Dies sollte in der zweiten Juni-Hälfte der Fall sein, sagte Stiassny am Donnerstag. Die Verhandlungen seien schon fortgeschritten, Due-Diligence-Prüfungen noch abzuschließen.

Der für diese Woche geplante Bankengipfel wurde auf kommende Woche verschoben. Man wartet auf Konzept und Partner und werde dann über einen Schuldennachlass entscheiden. Erwartet wird, dass Libro filetiert, Unrentables wie E-Business und Entertainment abgegeben wird. Amadeus könnte an einen Buchhandelskonzern - denkbar: die Münchner Hugendubel-Gruppe - veräußert werden. (szem/Reuters/DER STANDARD, Printausgabe 1.6.2001)

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