WHO warnt vor steigendem Tabakkonsum von Frauen

31. Mai 2001, 17:49
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Anti-RaucherInnen-Kampagnen für die Dritten Welt gefordert

Genf - Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt in einem neuen Bericht vor zunehmendem Tabakkonsum bei Frauen. Nach Schätzungen der Organisation wird die Zahl der Raucherinnen bis zum Jahre 2025 von 187 Millionen auf 532 Millionen ansteigen, wenn sich der gegenwärtige Trend nicht umkehren lässt.

Als wesentlich nennt der in Genf vorgestellte Report Aufklärungskampagnen für Frauen in der Dritten Welt, wo sich die Zahl der Raucherinnen noch in Grenzen, aber bereits dabei ist zu steigen.

Schon heute sei Tabakmissbrauch für vier Millionen Todesfälle im Jahr oder 11.000 am Tag verantwortlich, unterstrich WHO- Generaldirektorin Gro Harlem Brundtland anlässlich der Präsentation des Berichts. "Sollten sich nicht signifikante Änderungen einstellen, wird Rauchen bis zum Jahre 2020 der Grund für zehn Prozent aller Krankheiten sein", so die WHO-Chefin weiter. Lungenkrebs, Herzkrankheiten, chronische Bronchitis und Unfruchtbarkeit seien nur einige der Folgen.

Wie Judith Mackey, die Vorsitzende des WHO-Beraterkomitees für die so genannte 'Tobacco Free Initiative', erläuterte, ist der Tabakkonsum bei Männern mittlerweile leicht rückläufig. "Für Frauen aber kommen die schlimmsten Zeiten noch", meint sie. Die WHO-Expertin rechnet damit, dass der Anteil rauchender Frauen in Industrie- und in Entwicklungsländern bis 2025 auf 20 Prozent steigen wird. Gegenwärtig rauchen in den Ländern des Norden 15 Prozent aller Frauen und in den Ländern des Südens acht Prozent.

Die neue Studie nennt mehrere Gründe für den gerade in Entwicklungsländern zu erwartenden Raucherboom unter Frauen. Mackey zufolge wird schon die Tatsache, dass sich die Zahl der Frauen in der Dritten Welt bis 2025 von 2,5 auf 3,5 Milliarden erhöhen wird, dafür sorgen, dass in absoluten Zahlen mehr Frauen rauchen.

Entscheidend dazu beitragen wird nach ihren Erkenntnissen auch die wachsende Kaufkraft von Mädchen und Frauen und weiter die langsame Auflösung der sozialen und kulturellen Werte, die beispielsweise in China und in moslemischen Staaten bislang dafür gesorgt haben, dass Frauen im wesentlichen nicht rauchen.

Hinzukomme, so Mackey, dass es der Tabakindustrie über geschickte Werbemaßnahmen gelungen sei, Rauchen als Zeichen der Emanzipation darzustellen. In der Tat rauchten viele Aktivistinnen, die sich in Frauengruppen stark machten und seien insofern nicht übermäßig interessiert an Anti-Raucher-Kampagnen.

Hier habe die Werbung einen großen Sieg errungen, bedauern auch Mabel Bianco, Margaretha Haglund, Yayori Matsui und Nobuko Nakano. Allerdings stellen sie in ihrem Beitrag für den neuen Bericht auch fest, dass bei der Frauenbewegung in den letzten Jahren ein Umdenken eingesetzt habe. Immer häufiger würden nun in diesen Kreisen die Gefahren des Tabakkonsums und die Möglichkeiten seiner Bekämpfung diskutiert.

Gegenwärtig rauchen in Entwicklungsländern etwa 48 Prozent aller Männer. Auch dies schadet vielen Frauen und Kindern, wie die WHO-Studie bedauert. Zum einen seien sie den Gefahren des passiven Rauchens ausgesetzt, zum anderen habe sich so bei vielen Regierungen die nicht ganz falsche aber kurzsichtige Überzeugung durchgesetzt, dass Tabakmissbrauch in erster Linie ein männliches Problem sei. Auch deshalb seien Anti-Raucher-Programme für Frauen in der Dritten Welt praktisch nicht zu finden. (IPS)

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