Krankenkassen-Defizit steigt dramatisch

31. Mai 2001, 14:52
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Prognosen weisen für 2004 eine Zunahme der Abgänge von 3,2 auf 8,2 Milliarden jährlich aus

Wien - Das Defizit in der sozialen Krankenversicherung wird aller Voraussicht nach auch in den nächsten Jahren weiter ansteigen. Dies geht aus Modellberechnungen des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger hervor. Für das Jahr 2000 rechnen die Krankenkassen mit einem Minus von 3,2 Milliarden Schilling und für heuer von 3,75 Mrd. S. Je nach Steigerung der Medikamentenkosten soll das Defizit bis zum Jahr 2004 auf 4,4 bis 8,2 Mrd. S anwachsen.

Drei Varianten

Berechnet hat der Hauptverband in seinem Modell drei Varianten einer jährlichen Steigerung der Medikamentenkosten - vier, sechs bzw. acht Prozent. Variante drei mit einer Steigerung um acht Prozent bezieht sich auf das Wachstum im internationalen Vergleich in dieser Größenordnung. Variante zwei mit sechs Prozent geht von einer weiter sehr restriktiven Vorgangsweise bei allen Verschreibungen, aber von keinen neuen Preissenkungen aus.

Die am Mittwoch getroffene Vereinbarung zwischen Hauptverband und Ärztekammer weist in diese Richtung. Im Hauptverband geht man daher davon aus, dass diese Variante am ehesten zum Tragen kommen könnte. Variante eins mit einer jährlichen Steigerung von vier Prozent schließlich geht von zusätzlichen Mengeneinsparungen aus, die derzeit aber nicht in Sicht seien.

8,2 Milliarden Abgang prognostiziert

Für das Jahr 2002 sieht die Modellberechnung des Hauptverbandes ein Defizit von 3,8 Mrd. S für Variante eins, von 4,37 Mrd. S für Variante zwei und von 4,94 Mrd. S für Variante drei vor. Für das Jahr 2003 werden 4,2 Mrd. S (Variante eins), 5,4 Mrd. S (Varianten zwei) oder 6,61 Mrd. S (Variante drei) angenommen. Und für das Jahr 2004 werden schließlich 4,4 Mrd. S, 6,28 Mrd.S oder 8,23 Mrd. S prognostiziert.

Den Berechnungen zu Grunde liegen Prognosen der Wirtschaftsforscher für eine Einnahmensteigerung der Krankenkassen von 3,6 Prozent im nächsten Jahr, 3,4 Prozent im Jahr 2003 und 3,5 Prozent im Jahr 2004. Die Einnahmen aus der Krankenscheingebühr werden mit jährlich 662 Mill. S angenommen. Für die Finanzierung der Chipkarte wurden für nächstes Jahr 250 Mill. S sowie 280 bzw. 185 Mill. S für die beiden folgenden Jahre veranschlagt.

Erhöhung der Einnahmen schafft Spielraum

Dass sich der Abgang der Krankenkassen für heuer von ursprünglich angenommenen 5,8 auf 3,7 Mrd. S verringert, begründet der Hauptverband mit einer Erhöhung der Einnahmen um 1,112 Mrd. S und einer Reduktion der Ausgaben um 983 Mill. S. Aus der Ambulanzgebühr werden nun auf Grund der gesetzlichen Änderungen für heuer 450 Mill. S Einnahmen statt der urspünglich geplanten 41 Mill. S angenommen. Bei den Medikamentenkosten wurde die Aufwandssteigerung von 6,1 auf 4 Prozent korrigiert, was einen Minderaufwand von 579 Mill. S bedeutet. An Krankengeld werden um 404 Mill. S weniger ausbezahlt. Im ersten Quartal ging die Zahl der neuen Krankenstandsfälle um 7,2 Prozent zurück. (APA)

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