Südafrika: Widerstand gegen weitere Müllverbrennungsanlagen

31. Mai 2001, 14:05
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Gefährliche Abfälle in Nähe der Armen

Johannesburg - Mit großer Besorgnis registrieren Umweltschutzorganisationen in Südafrika die Vielzahl neuer Müllverbrennungsanlagen, in denen selbst medizinische und andere gefährliche Abfälle entsorgt werden. Häufig liegen sie in den dicht besiedelten Wohngebieten armer Schwarzer.

Während in vielen Industrieländern Müllverbrennungsanlagen bereits als Auslaufmodelle der Abfallentsorgung gelten, sollen im Kapstaat noch weitere gebaut werden. Bei den Behörden stapeln sich die entsprechenden Anträge.

"Müllverbrennungsanlagen lassen den Abfall nicht einfach verschwinden. Sie emittieren Schadstoffe in die Luft, und auch die Asche, die übrig bleibt, kann gefährlich sein", kritisiert Leila Mahomed, Koordinatorin der 'Anti-Incineration Alliance', einer Koalition von Umweltgruppen in der Provinz Western Cape.

In Gauteng, der am dichtesten besiedelten Provinz Südafrikas, will man neun Verbrennungsanlagen für medizinische Abfälle bauen. Auch 'Denel Corporation', Südafrikas größte private Waffenschmiede, hat beantragt, ihre Industrieabfälle in einer neuen Verbrennungsanlage entsorgen zu dürfen, und zwar zwischen Mitchells Plein und Khayelitsha. Allein in Khayelitsha leben rund 600.000 Schwarze. Bislang hat die Provinz Western Cape nicht erkennen lassen, ob sie den Antrag genehmigt oder nicht.

Tuberkulose, Aids, Krebs, Asthma

"In Khayelitsha sind viele Menschen an Tuberkulose, Aids, Krebs und Asthma erkrankt", klagt der Umweltaktivist Thabang Ngcozela, der seit zehn Jahren in der Stadt lebt. "Wenn hier jetzt auch noch eine Müllverbrennungsanlage hinzukommt, wird das Immunsystem der Bewohner noch stärker angegriffen."

Bundes-, Provinz- und Kommunalbehörden sind nicht automatisch verpflichtet, Anträge auf den Bau von Müllverbrennungsanlagen zu veröffentlichen. Weil entsprechende Gesuche von Umweltaktivisten häufig nicht beantwortet werden, befürchten diese, in Wahrheit nur einen Bruchteil der Anträge zu kennen.

Zwar sind die Unternehmen, die ihre Abfälle verbrennen wollen, aufgefordert, ihre Anträge offen zu legen, doch die darin enthaltenen Informationen sind nach Meinung von Aktivisten unvollständig und nicht jedermann zugänglich.

85 % verstehen Bekanntmachungen auf Englisch nicht

"Wenn diese Bekanntmachungen nur in englischer Sprache erscheinen, dann sind sie für 85 Prozent der Bevölkerung unverständlich", erläutert Muna Lakhani von der Organisation 'Earthlife Africa'.

Mit Leila Mahomed und einer kleinen, engagierten Gruppe setzt sie alles daran, Regierung und Öffentlichkeit davon zu überzeugen, dass es weit sinnvoller ist, die Abfallmenge zu reduzieren anstatt immer mehr Müll in immer neuen, die Umwelt belastenden Verbrennungsanlagen zu entsorgen.

Landesweit fordern Umweltorganisationen wie Earthlife Africa, das 'Environmental Justice Networking Forum' und die 'Group for Environmental Monitoring' eine Zeit lang keine neuen Anlagen mehr zu genehmigen.

Bevor eine solche Betriebsgenehmigung erteilt wird, müssen die zuständigen Provinzbehörden sowie anschließend das Ministerium für Umwelt und Tourismus die Umweltverträglichkeit der geplanten Anlage überprüfen. Doch Kritiker klagen, dass dabei die Emissionen von gesundheitsgefährdenden Umweltgiften wie etwa Dioxinen, Furanen und Blei nicht genügend berücksichtigt werden.

Südafrikas Umweltschutzgesetz, das auch den Betrieb von Verbrennungsanlagen regelt, stammt aus dem Jahr 1965 und ist völlig veraltet. Die Einhaltung der darin empfohlenen Normen ist nicht obligatorisch. Das südafrikanische Parlament arbeitet an einem neuen Gesetz zum Schutz der Umwelt.

"Man sollte annehmen, dass die Behörden eines Landes wie Südafrika, dessen Bevölkerung so sehr unter Aids leidet, dafür sorgen, dass das Immunsystem der Menschen nicht noch weiter belastet wird", kritisiert die Umweltaktivistin Muna Lakhani.

Sie verweist darauf, dass vor allem schwarze Südafrikaner am meisten unter den gefährlichen Abgasen zu leiden haben, weil sich viele Müllverbrennungsanlagen in der Nähe ihrer Wohnsiedlungen befinden. "Das Erbe der Apartheid macht uns immer noch zu schaffen", klagt Lakhani.

Die Anwältin Ellen Nicol vom 'Legal Resources Centre', das die Interessen der Öffentlichkeit vertritt, verweist darauf, dass die Betriebserlaubnis für Verbrennungsanlagen häufig auch dann verlängert wird, wenn die Betreiberfirmen sich nicht an die vertraglichen Vereinbarungen halten.

Doch selbst wenn die Anlagen vorschriftsmäßig gefahren werden, sei der Schutz von Gesundheit und Umwelt nicht ausreichend gewährleistet, meint die Juristin. So werde die dabei anfallende Asche nicht etwa als gefährlicher Sondermüll entsorgt, sondern auf einer normalen städtischen Mülldeponie gelagert. (IPS)

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