Weiteres Tauziehen um Ablöse des TA-Vorstandes

31. Mai 2001, 19:13
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Betriebsrat weist Kapitalvertreter auf persönliche Haftung hin

Wien - Das Tauziehen um die Ablöse des Vorstands der börsenotierten Telekom Austria (TA) zwischen Eigentümern und Belegschaft im Vorfeld der für kommenden Mittwoch, 14 Uhr angesetzten TA-Aufsichtsratssitzung geht weiter. Im Laufe des Donnerstags soll ein von Telekom-Managern der ersten Führungsebene unterzeichneter Brief an die Eigentümer verschickt werden, in dem die Manager betonen, dass die öffentliche Diskussion um die geplante Vorstandsablöse dem Unternehmen schade, hieß es am Donnerstag aus der TA.

Ein weiterer Brief ist heute über die Anwaltskanzlei Griesser Gerlach Gahleitner im Namen des TA-Betriebsrats Erich Huhndorf an die acht im Aufsichtsrat vertretenen TA-Kapitalvertreter per Fax und Post gegangen, in dem auf die Verantwortung und Haftung der Kapitalvertreter bei einer Vorstandsablöse hingewiesen wird. Huhndorf erinnert die Kapitalvertreter in dem Schreiben an "den gesetzlichen Auftrag zur Wahrung des Unternehmenswohls". Eine "Abberufung des Vorstandes ohne Vorliegen einer entsprechenden Pflichtwidrigkeit oder Sorgfaltswidrigkeit des Vorstandes" führe "zu einem erheblichen Schaden" für die TA und die Anleger.

Persönlichen Haftung

"Eine dem äußerst strenge Sorgfaltsmaßstab des Aktiengesetzes widersprechende Vorgangsweise" beim Wechsel von Vorstandsmitgliedern führe "zu einer entsprechenden persönlichen Haftung jedes einzelnen Aufsichtsratsmitglieds, das an einer solchen gesetzwidrigen Beschlussfassung mitwirkt", heißt es in dem Brief. Nach Auffassung des TA-Zentralausschusses sei derzeit kein Grund gegeben, eine vorzeitige Abberufung des Vorstandes durchzuführen.

Der TA-Betriebsrat befürchtet neben den mit rund 50 Mill. S bezifferten hohen Ablösekosten für den TA-Vorstandsvorsitzenden Heinz Sundt, dass sich die Restrukturierung der TA durch einen Vorstandswechsel um mindestens ein Jahr verzögert.

TA-Aufsichtsratspräsident und ÖIAG-Vorstandssprecher Johannes Ditz hatte kürzlich vor Journalisten durchblicken lassen, dass er an eine rasche Ablöse des TA-Vorstands denke. Dem Vernehmen nach soll Sundt durch den Schweizer Ernst Häberli, der zuletzt als Papiermanager und zuvor jahrelang in der Fast Food-Branche tätig war, abgelöst werden. Angeblich soll auch TA-Technikvorstand Rudolf Fischer ausgetauscht werden.

Die ÖIAG ist mit einer Beteiligung von 47,8 Prozent Haupteigentümer der Telekom Austria. Die Telecom Italia hält 29,8 Prozent an der TA, der Rest steht in Streubesitz. (APA)

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