Gebremster Artenrückgang und anhaltende Nutzungskonflikte

31. Mai 2001, 21:11
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25 Jahre Naturschutzgebiet Rheindelta

Bregenz - Das Naturschutzgebiet Rheindelta feiert heuer 25-jähriges Bestehen. Die Bilanz ist positiv: Der Artenrückgang bei Tieren und Pflanzen konnte seit der Unter-Schutz-Stellung deutlich gebremst werden. Das Rheindelta gilt als eines der bedeutendsten Feuchtgebiete Europas.

"Die Entscheidung, das Gebiet vor 25 Jahren zum Naturschutzgebiet zu erklären, war strategisch äußerst wichtig und eine Generationen-Entscheidung", betonte der Vorarlberger Umwelt-Landesrat Erich Schwärzler (V) am Donnerstag bei einer Pressekonferenz im "Rheindeltahaus" in Hard. Hätte man diesen wichtigen Schritt damals nicht getan, gäbe es das Gebiet in dieser Form wohl nicht mehr, so Schwärzler.

Das Naturschutzgebiet am Bodenseeufer liegt zwischen dem Alten Rhein an der Grenze zur Schweiz und der Dornbirner Ach. Es umfasst etwa 1.300 Hektar Wasser- und 700 Hektar Landfläche. Mit Feuchtbiotopen und Flachwasserzonen ist das Rheindelta Lebensraum für mehrere tausend Tier- und Pflanzenarten: Allein 750 Schmetterlings- und 150 Wildbienenarten wurden registriert. Für viele dieser Arten ist das Naturschutzgebiet der letzte verbliebene Lebensraum.

Nutzungskonflikte

Unter Naturschutz gestellt wurde das Gebiet 1976 vom Land Vorarlberg - gegen den Widerstand von Grundeigentümern. 15 Jahre zuvor war der Polderdamm zum See hin fertig gestellt worden, der als Hochwasserschutz für die Bodensee-Anrainergemeinden dient. Durch die geringere Überflutungsgefahr wäre zum ersten Mal eine intensivere Nutzung des Rheindeltas möglich geworden. Die Interessenskonflikte zwischen Grundeignern und den Naturschützern nahmen dementsprechend zu. Nutzungskonflikte prägen die Situation bis heute: Die Interessen von Bauern und Fischern, Badenden und Seglern, Hochwasserschutz und Naturschutz gehen oft auseinander.

Der vor fünf Jahren gegründete Naturschutzverein Rheindelta soll als Vermittler auftreten und setzt auf "Entflechtung". Beispielsweise werde man Bademöglichkeiten an attraktiven Uferstellen sogar fördern, so dass Besucher "gar nicht erst auf die Idee kommen, an anderen Stellen zu baden", so Geschäftsführer Walter Niederer. Ebenso wichtig sei es, Wanderwege so interessant zu machen, dass Naturbegeisterte gar keinen Grund sehen, durch Streuwiesen oder den Auwald zu wandern. "Aus Naturschutzgebieten sollen keine Menschen-Aussperrgebiete werden", ist auch Landesrat Schwärzler überzeugt. (APA)

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