Liga für Menschenrechte ist seit 75 Jahren tätig

31. Mai 2001, 11:37
posten

1926 durch den Schriftsteller und Soziologen Rudolf Goldscheid gegründet

Wien - Mit der Liga für Menschenrechte feiert Österreichs älteste Menschenrechtsorganisation ihr 75-jähriges Bestehen. Gegründet wurde die Liga am 10. Mai 1926 nach dem Vorbild der französischen Liga für Menschenrechte durch den Schriftsteller und Soziologen Rudolf Goldscheid. Anliegen der Liga war es stets sich für die Rechte von sozialen, rassischen und religiösen Minderheiten einzusetzen. Heute, Donnerstag, findet im Parlament ein Festakt mit Liga-Präsident Ferdinand Lacina (S), Vizepräsidentin Terezija Stoisits (G) und Nationalratspräsident Heinz Fischer (S) statt.

Nach der sogenannten Dreyfus-Affäre (der jüdische Hauptmann Dreyfus wurde zu Unrecht angeklagt, militärische Geheimnisse verkauft zu haben) setzte sich in Frankreich die Idee eines organisierten Menschenrechtsschutzes durch. Goldscheid, der in ständigem Kontakt mit Paris stand, griff diese Idee auf und berief am 10. Mai 1926 in Wien die Österreichische Liga für Menschenrechte ins Leben. Noch im selben Jahr trat sie der internationalen Ligenföderation bei, der sie auch heute noch angehört.

Zur Zeit des Ständestaates konnte die Liga ihren Tätigkeiten nur mehr sehr eingeschränkt nachgehen, so Feliks Bister, Geschäftsführer der Liga. Unter dem NS-Regime wurde sie dann gänzlich verboten. Zahlreiche Funktionäre wurden in KZs verschleppt oder mussten ins Ausland fliehen. Mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde die Arbeit für die Menschenrechte aber wieder aufgenommen und auch eine eigene Zeitschrift ("Das Menschenrecht") wurde gegründet.

Zur Zeit umfasst die Liga für Menschenrechte rund 700 Mitglieder, die mit ihrem Mitgliedsbeitrag von 300 Schilling pro Jahr einen Großteil der Finanzierung der Liga übernehmen. Neben diesen "einfachen Mitgliedern" gibt es aber auch einige Gemeinden und Institutionen, die sich mit größeren Beträgen beteiligen, so Stoisits. Die einstige staatliche Subvention von 100.000 Schilling jährlich wurde im Vorjahr zur Gänze gestrichen, kritisiert die Grün-Abgeordnete.

Seit 1989 gibt die Liga auch einen jährlichen "Menschenrechtlichen Befund für Österreich" heraus, in dem sie ihre Anliegen und Kritikpunkte vorbringt. Im Befund 2000 wurde beispielsweise eine weniger restriktive Handhabung der Neuzuzugsquote oder die Herausnahme der Familienzusammenführung aus der Quote gefordert. Aber auch stärkere Patientenrechte oder die Herabsetzung des Wahlalters auf kommunaler Ebene bzw. das aktive und passive Wahlrecht auf kommunaler Ebene für Ausländer wurden eingefordert. Handlungsbedarf sieht die Liga für Menschenrechte auch bei noch ungelösten Volksgruppenproblemen oder bei der derzeitigen Zivildienstregelung. (APA)

Share if you care.