Duisenberg für starke Rolle der Notenbanken bei Aufsicht

31. Mai 2001, 16:55
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Grenzüberschreitende Fusionen erweitern auch Agenden der Finanzmarkt- Aufsicht

Wien - Für eine starke Rolle der Notenbanken in der europäischen Finanzmarktaufsicht sprach sich heute der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Wim Duisenberg, bei der derzeit stattfindenden Volkswirtschaftlichen Tagung der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) in Wien aus. Mit der Einführung des Euro und damit dem Zusammenwachsen der europäischen Finanzmärkte verstärkten sich die Argumente für eine Einbindung der Zentralbanken in die Aufsicht.

Mit der gemeinsamen Geldpolitik in der Eurozone entfalle der traditionelle Interessenkonflikt zwischen nationaler Geldpolitik und Aufsicht. Zudem habe sich die Bedeutung systemischer Risiken erhöht. So sei der Interbankenmarkt in der Eurozone bereits harmonisiert. Die zunehmende Konsolidierung des Finanzsektors über Fusionen und Übernahmen hin zu Finanzkonglomeraten lasse nationale Grenzen immer mehr verschwinden. Die Finanzmarktaufsicht müsse sich daher immer mehr mit der Entwicklung in der gesamten Eurozone befassen. Die nationalen Notenbanken hätten in diesem Bereich auf Grund ihrer Verantwortung bezüglich Zahlungs- und Settlement-Systemen sowie ihrem traditionellen Fokus auf systemische Risiken einen Vorteil. Zudem seien sie Teil des Eurosystems.

Nationalen Notenbanken sollen Aufsicht behalten

Eine weiterhin erfolgreiche Finanzmarktstabilität in Europa, die auch eine wesentliche Vorbedingung für Wachstum sei, könnte wesentlich davon profitieren, wenn die Rolle der nationalen Notenbanken in der Aufsicht beibehalten oder sogar verstärkt würde.

In einigen Ländern scheine die Diskussion um die Bankenaufsicht allerdings einen Kurs hin zur Allfinanzaufsicht einzuschlagen. Eine Allfinanzaufsichtsbehörde werde offenbar in Finnland, Irland und Österreich favorisiert. In Deutschland mehrten sich die Zeichen für einen bedeutenden und willkommenen Meinungswandel hin zu einer stärkeren Einbindung der deutschen Bundesbank in die Aufsicht. Wichtig bei einer Schaffung einer eigenen Aufsichtsbehörde seien jedenfalls eine enge Kooperation und Informationsaustausch zwischen Finanzaufsicht und Notenbank, betonte der EZB-Chef.

OeNB-Gouverneur Klaus Liebscher bezeichnete heute eine Zusammenlegung der verschiedenen Gebiete der Finanzmarktaufsicht als sehr ambitioniert. Wichtig sei dabei jedenfalls eine klare Position über die Rolle der Notenbank. Die Einbindung der Notenbanken in die Bankenaufsicht habe sich in vielen Ländern der Welt bewährt. Dies solle bei Reformen der Aufsicht berücksichtigt werden.

Welteke: Prüfung vor Ort immer wichtiger

Für zumindest eine enge Anbindung der Notenbanken an die Bankenaufsicht plädierte am Donnerstag der Präsident der Deutschen Bundesbank, Ernst Welteke, bei der Volkwirtschaftlichen Tagung der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) in Wien. Die Notenbanken hätten nicht nur das größte Interesse an stabilen Finanzmärkten, sondern auch das beste Handwerkszeug zur Früherkennung von Krisensymptomen sowie der Initiierung von Gegenmaßnahmen.

Rothensteiner für Spartentrennung bei Allfinanz-Aufsicht

Bei der in Österreich geplanten Einführung einer Allfinanzaufsicht sollte die Spartentrennung in Banken, Versicherungen sowie Wertpapier- und Pensionskassengeschäft beibehalten werden, sagte der Generaldirektor der Raiffeisen Zentralbank (RZB), Walter Rothensteiner, am Donnerstagnachmittag bei der Volkswirtschaftlichen Tagung der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB). Die verschiedenartigen Risiken erforderten unterschiedliche Ansätze für die Aufsichtstätigkeit und differenzierte Aufsichtstechniken. Schließlich habe sich die sektor-spezifische Unterteilung innerhalb der Bankenaufsicht sehr bewährt und ihre Beibehaltung würde sicherstellen, die entsprechenden Erfahrungen der bestehenden Bankenaufsicht weiterhin nutzen zu können. (APA)

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