Allianz und die Dresdner erwarten Milliarden-Synergien

31. Mai 2001, 15:48
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Binnen drei Jahren sollen alle neuen Strukturen stehen

München - Die Allianz rechnet durch die Übernahme der Dresdner Bank mit zusätzlichem Profit in Milliardenhöhe. Für das laufende Jahr erwartet der neue Allfinanzkonzern allerdings ein deutlich geringeres Gewinnwachstum als zunächst angenommen. Verantwortlich dafür sei der schwache Start der Dresdner Bank ins neue Jahr, sagte Allianz-Chef Henning Schulte-Noelle am Donnerstag in München.

Von der Übernahme könnten Kunden und Unternehmen profitieren, sagte Schulte-Noelle. "Diese Transaktion bringt uns weltweit in die Pole Position im Rennen um den Preis des führenden integrierten Finanzdienstleisters." Bereits im kommenden Jahr sollen die Synergien durch den Zusammenschluss 290 Mill. Euro (3,99 Mrd. S) vor Steuern ausmachen. Diese Summe soll dann kontinuierlich auf knapp 1,1 Mrd. Euro jährlich ab 2006 steigen. Die Restrukturierungskosten von insgesamt 375 Mill. Euro bis zu diesem Jahr seien bereits abgezogen. Der positive Effekt werde vor allem durch zusätzliches Wachstum, aber auch durch Kosteneinsparungen erreicht.

Konzentration auf Wachstumsmärkte

Der neue Allfinanzkonzern will sich besonders auf die Wachstumsmärkte Altersvorsorge und Vermögensverwaltung konzentrieren. Allein der Altersvorsorgemarkt werde sich durch die Rentenreform bis zum Jahr 2010 auf über 760 Mrd. Euro mehr als verdoppeln. Der Allianz-Aktienkurs legte zwischenzeitlich um knapp drei Prozent auf gut 330 Euro zu.

Beim Gewinn im laufenden Jahr rechnet Allianz-Vorstand Helmut Perlet einschließlich Dresdner Bank nur noch mit einem Zuwachs von 15 Prozent. Die alte Allianz werde den Überschuss wie geplant um 13 Prozent steigern, zwei Punkte steuere die Dresdner Bank bei. Noch im April hatte der Konzern einen Dresdner-Gewinnbeitrag von 13 Prozent in Aussicht gestellt. In der neuen Gruppe wird der Gewinn der Prognose zufolge nun also nicht mehr um 26, sondern nur noch um 15 Prozent zulegen.

Integrationsschritte

Schulte-Noelle kündigte an, die Fusion rasch voran zu treiben. Innerhalb der nächsten drei Jahre solle die Integration weitgehend abgeschlossen und das Profil der neuen Allianz am deutschen Markt klar erkennbar sein. "Etwas länger wird wohl die Anpassung der Unternehmenskulturen dauern und die Schaffung einer starken Gruppenidentität", räumte Schulte-Noelle ein. Durch den Zusammenschluss sollen in Deutschland 600 Stellen wegfallen. Im Gegenzug sollen in dem neuen Allfinanzkonzern 3.000 Arbeitsplätze neu geschaffen werden. Derzeit beschäftigten die beiden Konzerne in Deutschland rund 85.000 Mitarbeiter.

Die Allianz legte am Donnerstag auch das offizielle Übernahmeangebot für die Dresdner Bank vor. Für zehn Dresdner Bank-Aktien würden den Anteilseignern eine Allianz-Aktie und 200 Euro in bar geboten. Das Angebot starte sofort und laufe voraussichtlich bis zum 13. Juli. Damit blieb es erwartungsgemäß bei dem bereits früher angekündigten Gebot. Vertreter von Kleinaktionären hatten zwischenzeitlich gefordert, die Allianz solle die Barkomponente noch einmal aufstocken. Dresdner Bank-Chef Bernd Fahrholz nannte das Angebot "angemessen und fair". (APA/dpa)

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