Polen befürchtet weitere Verzögerungen bei Zwangsarbeiter- Auszahlung

31. Mai 2001, 12:20
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Intensive Beschäftigung mit Nationalsozialismus verlangt

Berlin - Der polnische Botschafter in Deutschland, Jerzy Kranz, hat sich erleichtert geäußert, dass mit der Feststellung der Rechtssicherheit durch den deutschen Bundestag der Weg für die Entschädigung ehemaliger Zwangsarbeiter nun frei ist. In DeutschlandRadio Berlin warnte er am Donnerstag aber vor möglichen technischen Problemen, die die Auszahlung der Gelder weiter verzögern könnten.

Gerade die Namensprüfung der ehemaligen Zwangsarbeiter könne zu weiteren Verzögerungen von bis zu einem Jahr führen, sagte Kranz: "Die deutsche Stiftung muss die Namenslisten überprüfen. Sie wird das stichprobenartig machen, aber das sind Tausende von Namen und man hat damit erst vor etwa zehn Tagen begonnen." Die Listen seien in Polen schon seit Monaten fertig gestellt, die deutsche Stiftung habe sie aber bisher nicht aufnehmen können.

Verzögerungen befürchtet der polnische Botschafter auch durch die Antragsfrist für die ehemaligen Zwangsarbeiter, da es notwendig werden könne, die Frist zu verlängern. Manche Anträge würden aber auch mit formalen Fehlern gestellt: "Da gibt es eine ganze Menge Gefahren, die nach der glücklichen Lösung von gestern noch bevorstehen."

Kranz fordert auch für die Zukunft eine intensive Beschäftigung mit dem Nationalsozialismus und dem Zweiten Weltkrieg: "Es muss vor allem noch intensiv geforscht werden, in allen Ländern inklusive Deutschland." Dafür sei die Öffnung der Archive notwendig. Für die Jugendarbeit forderte Kranz eine stärkere finanzielle Unterstützung für den deutsch-polnischen Jugendaustausch: "Das deutsch-polnische Jugendwerk hat nur ein Drittel des Geldes wie das deutsch-französische. Die Zahl der Teilnehmer ist aber fast gleich." (APA/dpa)

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